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Full text : Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873, Wiener Weltausstellung Heft 17

Deutschland  auf  der  Wiener  Weltausstellung  1873.  33
dere  Sympathien.  Die  Industrie  Bayerns  namentlich  erschien  demzufolge ­
  in  grösserer  Ausdehnung  auf  dem  Platze,  als  ihrer  thatsächlichen
Bedeutung  eigentlich  entsprach;  der  lebhaften  Betheiligung  der  Münchener ­
  Kunst  ist  bereits  Erwähnung  geschehen.  Für  Sachsen  und
Schlesien  war  in  der  nahen  und  bequemen  Lage  von  Wien  ein  besonderer ­
  Anreiz  zur  Betheiligung  gegeben.  Ging  letztere  auch  nicht  über
die  industrielle  Bedeutung  beider  Gebiete  hinaus,  so  war  sie  doch
unverhältnissmässig  rege  im  Vergleich  zu  der  Beschickung,  welche  die
letzte  internationale  Ausstellung  aus  diesen  Theilen  Deutschlands  erfahren ­
  hatte.  Auf  der  anderen  Seite  zeigte  sich  die  rheinisch-westfälische
Industrie,  wesentlich  in  Folge  der  Richtung  ihrer  wichtigsten  Verkehrsbeziehungen ­
  und  der  Entfernung  des  Ausstellungsortes,  nicht»  ihrer
Wichtigkeit  entsprechend  repräsentirt.  Auch  Elsass-Lothringen  gelangte
unter  dein  Einflüsse  der  noch  unberuhigten  politischen  Strömungen  zu
einer  würdigen  Vertretung  nicht.
Unter  den  verschiedenen  Gebieten  der  industriellen  Ausstellung
waren  vor  Allem  die  Erzeugnisse  der  mächtigen  deutschen  Hüttenindustrie ­
  und  des  Maschinenbaues  —  von  letzterem  namentlich  das
Eisenbahnmaterial  und  die  Arbeitsmaschinen  —-  durch  eine  grosse  Anzahl ­
  von  Ausstellern  vertreten.  Dann  glänzte  die  chemische  Industrie
durch  die  Menge  der  erschienenen  Firmen.  Andererseits  fehlte  es  indess
  ebensowenig  an  Arbeitsgebieten,  welche  im  Vergleich  mit  ihrer
thatsächlichen  Bedeutung  nur  einer  bescheidenen  Betheiligung  sich  erfreueten.
  Dahin  gehört  insbesondere  die  Industrie  der  Nahrungsmittel,
von  welchen  nur  die  Erzeugnisse  der  Müllerei  eine  grössere  Anzahl  von
Ausstellern  aufzuweisen  hatten.  Dahin  gehörten  ferner  die  für  Deutschland ­
  so  bedeutenden  Industrien  der  Spinn-  und  Webstoffe,  der  Metallwaareri
  und  der  Kurzwaaren.  Von  den  Erzeugnissen  der  ersteren
waren  nur  die  Tuche  und  Seiden  in  hervorragendem  Umfange  ansgestellt. ­
  Aus  der  Metallwaaren-  und  Kurzwaarenfabrikation  hatten  zwar
einzelne  locale  Gebiete  mit  der  ihnen  eigenthümlichen  Fabrikation  eine
grössere  Menge  von  Ausstellern  geliefert;  dagegen  war  die  Gesammtausstellung
  in  keiner  Weise  angethan,  von  diesen  Zweigen  der  heimischen ­
  Industrie  ein  richtiges  Bild  zu  geben.
In  der  landwirthschaftlichen  Ausstellung  konnte  es  der  Natur  der
Sache  nach  zu  einer  allgemeinen  Betheiligung,  wie  in  der  industriellen
Abtheilung,  nicht  kommen.  In  sporadischer  Weise  waren  hier  die  Besitzer ­
  hervorragender  Wirthschaften  mit  ihren  Culturerzengnissen  vertreten. ­
  Nur  ein  Artikel,  die  Schafwolle,  hob  sich  durch  eine  lebhafte
Betheiligung  der  bedeutenderen  deutschen  Heerden  über  das  Niveau
des  Uebrigen  hervor.
In  der  Kunst  bildete  die  Malerei  vielleicht  denjenigen  Theil  der
ganzen  Ausstellung,  welcher  verhältnissmässig  der  zahlreichsten  Be-Wiener
  Weltausstellung.  III
            
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