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Full text: Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873, Wiener Weltausstellung Heft 17

36 Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873, 
theiligung sich rühmen durfte, während die sonstigen Kunstgebiete, 
vor allem die Sculptur, nur beschränkte Beachtung empfangen hatten. 
Die vorstehende Uebersicht (S. 34 und 35) gewährt ein bestimm 
teres Bild der Tkeilnahme, welche die Ausstellung in den grösseren 
deutschen Staaten und für die verschiedenen Gruppen des Programms 
gefunden hat. 
Der deutsche Ausstellungsplan. 
14. 
Sobald über die Zahl der Aussteller in den einzelnen Gruppen des 
Programms eine Uebersicht gewonnen und die Entscheidung über den 
Umfang der Ausstellungsräume gefallen war, hatte sich die Central 
commission der Aufstellung des Planes zuzuwenden, welcher den ein 
zelnen Gruppen und in ihnen den Ausstellern einen Platz überweisen 
sollte. In der schwankenden Lage der Verhältnisse, welche die Ent 
wickelung der Ausstellungen in diesem Zeitpunkte noch zu beherrschen 
pflegen, findet die Aufgabe ihre besonderen Schwierigkeiten. Noch ist 
es erst ausnahmsweise möglich, den Inhalt der einzelnen Gruppen nach 
seiner Bedeutung zu würdigen und doch ist eine glückliche Anordnung 
derselben von solcher Würdigung abhängig.. Noch steht man zahl 
reichen Ausstellern gegenüber, die zu mehr als bedingten Zusagen 
nicht zu bestimmen und deren Pläne und Absichten vor unvorherge 
sehenen Aenderungen durchaus nicht sicher sind und doch soll für ihre 
Ausstellungen bereits jetzt derjenige Platz gefunden werden, welcher 
ihnen wie dem Ganzen die glücklichste Wirkung verspricht. Alles das 
ist angethan, bestimmte und bindende Dispositionen zu vereiteln, wäh 
rend andererseits der einzelne Betheiligte, soweit sein Interesse reicht, 
auf bindende Feststellungen beharrlich dringt. 
Der Gesammtcharakter der deutschen Industrie und manche An 
schauungen ihrer Vertreter tragen zur Erschwerung dieser Umstände 
bei. Die meisten Gewerbzweige sind in Deutschland nicht, wie etwa 
in Frankreich und England, durch eine grössere Zahl hervorragender 
Häuser repräsentirt, sondern ihr Schwerpunkt liegt überwiegend in 
einer Menge beschränkter Geschäfte. Deshalb muss auf jeder Ausstel 
lung das Bild eines deutschen Gewerbes mosaikartig aus zahlreichen 
kleinen Theilen zusammengebaut werden, die, in Charakter und Werth 
fast durchgängig verschieden, nur schwer mit einander sich vereinen, 
zu einem wirklich harmonischen Ganzen aber kaum sich gestalten las 
sen. Das Mühsame der hierauf gerichteten Arbeit pflegt ebenso gross, 
wie die Würdigung gering zu sein, welche ihr von den Ausstellern zu 
Theil wird.
	        
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