Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873. 39
Auch andere Verhältnisse erwiesen sich der Aufstellung eines anspre
chenden Planes wenig förderlich. In dem Industriepalaste hatte Deutsch
land , verglichen mit den übrigen grösseren Staaten, eine nicht gün
stige Lage erhalten. Sein Antheil an der Hauptgallerie war unbedeu
tend; die Längen- und Breitenverhältnisse Hessen eine wirkungsvolle
Anordnung kaum erreichen. Die zur Ausgleichung dafür ihm zuge-
theilte Quergallerie hinter der Rotunde entbehrte genügenden Licht
einfalls und zeigte sich durch die in der Rotunde vorgenommenen
Dispositionen so gut wie abgeschnitten. Ganz überwiegend lag in Folge
dessen seine Ausstellung in den niedrigeren und schmalen Seitengalle-
rien und von diesen war wieder die eine von jedem Durchgangsver
kehr isolirt. Auch der zersplitterte Charakter der Ergänzungsbauten
nöthigte zu vielfachen Zersplitterungen zusammengehöriger Arbeits
gebiete; grosse einheitliche Gruppen, wie das Berg- und Hüttenwesen,
mussten- in nachtheiliger Weise zerlegt werden. Diese bedauerlichen,
aber für die Centralcommission gebieterischen Verhältnisse werden in
Betracht zu ziehen sein, wenn eine unbefangene Würdigung des deut
schen Ausstellungsplanes beabsichtigt wird.
Die Anordnung der Gruppen wurde Ende October von der Central
commission festgestellt. Die Grundzüge des Planes waren damit ge
geben und erfuhren seitdem nur noch unwesentliche Aenderungen.
Auf Grund dieser Generaldisposition erfolgte demnächst die Aus
arbeitung von Specialplänen für die einzelnen Gruppen, die, nach der
Natur der darin enthaltenen Gegenstände in grösserer oder geringerer
Ausführung, die Lage der Wege, die Anordnung der Schränke und
Tische, den Standort einzelner, grösserer Gegenstände angaben. Eine
endgültige Feststellung dieser Pläne gestatteten die Verhältnisse nicht,
sie unterlagen selbst in den wenigen Punkten, in welchen man zu defi
nitiven Anordnungen gelangt zu sein glaubte, noch manchen unvorher
gesehenen, aber unvermeidlichen Modificationen.
Von besonders ungünstigem Einflüsse erwies sich dabei das Schick
sal der Rotunde. Die Centralcommission musste darauf rechnen, für
eine sehr beträchtliche Zahl grösserer Ausstellungsgegenstände in ihrem
Raume Platz zu erhalten. Gleichwohl gelang es ihr nicht, rechtzeitig
in den Besitz der deshalb nöthigen Bestimmungen zu kommen. Da diese
erst kurz vor der Eröffnung der Ausstellung ergingen, so blieb man
bis dahin über die Stellung einer Menge hervorragender Gegenstände,
welche die Gestaltung der Gruppenpläne erheblich beeinflussten, im steten
Zweifel und sah sich zu einem Provisorium gedrängt, welches für die
Aussteller und für die Commission Verlegenheiten aller Art erzeugte.
Die Aufstellung der Gruppenpläne lag in der Aufgabe der tech
nischen Bureaus der Centralcommission; sie erfolgte für die wichtige
ren Industriezweige möglichst unter Zuziehung von Sachverständigen.
In gewissen Theilen der Ausstellung, deren nähere Würdigung ganz