42 Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873,
band und für den Mittelraum einen angemessenen Abschluss gab. Er
wurde wenig später als die übrigen Bauten vollendet.
Der Bau der kleineren Räume in den Höfen des Industriepalastes
an den Seiten der deutschen Gallerien konnte erst im Januar, zum Theil
sogar erst im Februar des Ausstellungsjahres vergeben werden. Auch
ihre Ausführung erfolgte in leichtem Holzbau, in dem nördlich von der
Hauptgallerie belegenen Hofe im System und nach Art der grösseren
Bauten, in dem südlichen Hofe dagegen in einfachster, zimmerähnlicher
Constructionsweise. Die Fertigstellung zog sich bis Ende Mai hinaus.
Weniger schwierig als diese Anlagen gestaltete sich die Erweiterung
der Maschinenhalle und der landwirthschaftlichen Ausstellung.
Hier handelte es sich um möglichst einfache Holzbauten, zum Theile
um nichts als offene, lediglich durch Bedachung geschützte Schuppen.
Die Ausführung musste in die Hand eines Wiener Unternehmers gelegt
werden. Ihre Einfachheit ermöglichte die «rascheste Vollendung.
Obwohl erst im Februar und März, zum Theil sogar erst im April beschlossen,
konnten sie dennoch kurz nach Eröffnung der Ausstellung
ihrer Bestimmung übergeben werden.
Mit dem Fortschreiten der Bauten kam die Sorge für den Schmuck
der Umgebungen. Es war beschlossen worden, den nicht bebauten
Theil der Höfe des Industriepalastes und den geräumigen Platz zwischen
den grossen Ergänzungshallen zu Gartenanlagen umzuwandeln.
Wer später diese Anlagen in ihrem leichten und einfachen Charakter
erblickte, ahnte wohl die Mühe nicht, welche ihre Schöpfung verursacht
hatte. Ungezählter Wagenzüge mit Donauschotter bedurfte es, um
dem Platze die nöthige Höhe zu geben; auf dem völlig unfruchtbaren
Kiesboden galt es durch Aufschütten besserer Erde Gartenland zu gewinnen;
Brunnen wurden gebohrt, um für die Pflanzen das nöthige
Wasser zu schaffen; ein Theil des erforderlichen Pflanzenmaterials
musste in einem eigens errichteten Gewächshause herangezogen werden.
Von allen Seiten durch die die Gartenplätze einschliessenden
Bauten behindert, gelang es erst spät, die Anlagen zur Vollendung
und zu einigem Ansehen zu bringen.
Eigenthümliche Anstände fanden die Bau- und Gartenanlagen in
den beiden, die Rotunde begrenzenden Höfen. Diese Höfe wurden gewissermaassen
als der Mittelpunkt der deutschen Airsstellung betrachtet
und waren deshalb für eine reichere gärtnerische Ausschmückung
und für besondere Bauanlagen bestimmt. Der östliche Hof war zur
Empfangsstätte ausersehen für Se. Majestät den Kaiser und für diejenigen
Fürstlichkeiten Deutschlands, welche der Ausstellung ihren
Besuch schenken würden. Der westliche Hof sollte eine Vereinigungsund
Erholungsstelle für das deutsche Publicum bilden, um einem Bedürfniss
entgegenzukommen, welches auf früheren Ausstellungen unter
den Deutschen besonders empfunden worden war. Inmitten beider