Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873. 47
Gütertransport.
17.
Der geordnete Verlauf des Gütertransportes der Ausstellungen ist
an einen Mechanismus geknüpft, dessen Einrichtung und Thätigkeit,
von einem kleinlichen Detail beherrscht, nur wenige allgemeine Ge
sichtspunkte bietet. Dennoch bestimmt die Tüchtigkeit, mit welcher
dieser Mechanismus arbeitet, in den schwierigsten Stadien eines Aus
stellungsunternehmens dessen glücklichen Fortgang. Ein ungefähres
Bild von den Gütermassen, welche eine Ausstellung in Bewegung setzt,
bringt dies vor Augen. Für die deutsche Ausstellung liefen innerhalb
der wenigen, den Gütertransport einschliessenden, Wochen 2556 Eisen
bahnwagen mit 51 242 Güterstücken im Gewicht von 181 744Centnern
in den Wiener Ausstellungsraum ein; dazu kamen noch 188o Gepäck
stücke, welche den Weg durch die Post genommen hatten. Und in
diese Zahl von insgesammt 53 125 Versandstücken waren alle die
jenigen Zufuhren nicht einbegriffen, welche den rein baulichen Zwecken
der deutschen Ausstellung dienten.
Aus der Hand der ersten Entsender gegeben, fielen die gewaltigen
Massen auf dem Wege bis an die Pforten der ihnen zugewiesenen
Räume rasch nach einander unter die Obhut ganz verschiedener Ver
waltungen , sämmtlich einer Weisung über die Behandlung der Güter
bedürftig. Die Annahmestellen, welche die Güter zunächst zu grösse
ren Sendungen sammelten, die Eisenbahnen, welche sie von ihnen über
nahmen, die deutschen und österreichischen Zollämter, die Empfang
stellen der beiderseitigen Commissionen im Ausstellungsraum, für alle
galt es die einfachsten Mittel zu finden, um die Uebersicht über Her
kunft und Bestimmung der auf eine kurze Spanne Zeit sich zusammen
drängenden Waarenhaufen zu ermöglichen.
Ueber die Einsendung und den Empfang der Ausstellungsgüter
waren österreichischerseits ausführliche Bestimmungen erlassen worden.
Hiervon abgesehen betrachtete man Einsendung und Empfang ledig
lich als Sache der einzelnen Aussteller und ihrer Commissionen, welche
bei allen weiteren Anordnungen jene Bestimmungen zur Richtschnur
zu nehmen hatten. _ ;
Die von Oesterreich erlassenen Vorschriften über die Behandlung
der einzelnen Sendungen waren im Ganzen als zweckmässig anzuer
kennen; allein ihre Bedeutung wurde dadurch vernichtet, dass sie viel
zu spät in die Oeffentlichkeit traten. Als das die Vorschriften enthal
tende Reglement zur Kenntniss der fremden Commissionen gelangte,
befand man sich bereits im Februar 1873, unmittelbar vor dem Beginn
der Versendungen. Die Folge hiervon war, dass alle grösseren Staaten,