GO Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873,
letzteren in den Tagen der Eröffnung, wenn die hochgespannten Er
wartungen ihre erste und anspruchsvollste Befriedigung suchen, ge
winnt die öffentliche Meinung schnell für ein mehr oder minder gün
stiges Ui theil, das oberflächlich, deshalb aber nicht weniger hartnäckig
zu sein pflegt.
In der deutschen Abtheilung wurden alle hier einschlagenden Ar
beiten in ahgegrenzte Geschäftskreise vertheilt und diese den einzelnen
Mitgliedern der Ausstellungscommission zu selbstständiger Erledigung
übertragen. Den Empfang der Güter, ihre Entladung und Vertheilung,
die Verfügung über das Verpackungsmaterial übernahm der grossher
zoglich hessische Ministerialrath Fink; die Auspackung und Anord
nung der Waaren stand in dem Hauptpalaste unter dem königlich
sächsischen Regierungsrath Wiessner, in den Ergänzungsbauten unter
dem Director des Nürnberger Gewerbemuseums Stegmann, im Uebri-
gem unter dem königlich preussischen Geheimen Commerzienrath Ra-
vene. Soweit indess der Ausstellungsplan durch besondere Sachver
ständige entworfen war, wurden diese auch zunächst mit dessen Aus
führung betraut. Ueberall standen die Arbeiten nach ihrer technischen
Seite unter der maassgebenden Einwirkung der technischen Büreaus.
Die ausgleichende Aufsicht führte der Vorsitzende der Ausstellungs
commission.
Bei der ersten Uebernahme der Güter waren die deutschen Beam
ten auf die Vermittelung des Güterempfangsbüreaus angewiesen. Zur
Erleichterung der Abwickelung wurde ihnen ein Speditionsbüreau zu-
getheilt, welches unter der Leitung eines Kaufmanns die kaufmännische
Seite des Transportgeschäftes zu erledigen hatte. Das Entladen der
Wagen und die Ueberführung der Güter in die ihnen zugewiesenen
Räume sollte durch ein von der Generaldirection bestelltes Arbeiter
corps vollzogen werden. Die im Verhältniss zu den Arbeiten nur be
schränkte Zahl der Mannschaften bewog indess die deutsche Ausstel
lungscommission, für längere Zeit ein eigenes Arbeitercorps anzuwerben
und neben den österreichi^cherseits zur Verfügung gestellten Arbeits
kräften zu benutzen. Nach den im Voraus getroffenen Anordnungen
sollten die Güter stets in nächster Nähe der für ihre Aufnahme be
stimmten Räume abgeladen werden, um hier aus den Händen des Güter
empfangsbüreaus an die deutschen Beamten überzugehen. Die schon
geschilderten Schwierigkeiten des Transports in den Umgebungen der
Ausstellungsgebäude gestatteten indess die Durchführung dieser Ab
sicht nicht. Mit der fortschreitenden Verwickelung des Zufuhr- und
Abführverkehrs nahm auch die Güterbehandhing eine immer regel
losere Gestalt an. Wo die Wagen überhaupt sich fanden, suchten
schliesslich die Commissionen der für sie bestimmten Güter sich zu be
mächtigen; an den Gleisen entlang lagen die abgeladenen Kisten und
Ballen in buntem Durcheinander aufgestapelt, um von hier aus müh-