Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873. 61
sam vertheilt zu werden. Gütermassen thiinnt.cn sich nach und nach
an den Eingängen der Gebäude auf, Tage lang der Ueberführung in
die Ausstellungsräume harrend. Nur der ungewöhnlichen Gunst der
Witterung in jener Zeit war es zu danken, dass grössere Schäden für
die Waaren nicht erwuchsen.
Dass die Vertheilung der rasch entladenen Gütermassen in die
verschiedenen zum Theil weit von einander belegenen Räume mit dem
Entladen selbst nicht Schritt halten konnte, war wohl natürlich. Aber
auch der bauliche Zustand der Ausstellungsräume musste das Trans
portgeschäft lange beengen. Die meisten Räume hallten noch vom
Geräusche der Bauarbeiten, als der Haupttheil der Güter bereits an
langte. Wollte man für diese Arbeiten den Verkehr nicht sperren, so
blieb nichts übrig, als die Güter entweder in anderen, als den ihnen
zugewiesenen, Räumen einstweilen unterzubringen oder aber, soweit
dies undurchführbar, im Freien ruhen zü lassen.
Abweichend von den auf der letzten Pariser Ausstellung befolgten
Grundsätzen war das Auspacken der Waaren im Innern der Ausstel
lungsräume gestattet. Lag darin zweifellos eine Erhöhung der Gefah
ren für die Feuersicherheit der Gebäude, so wurde doch andererseits
das Geschäft des Auspackens ausserordentlich erleichtert. Die Ein
richtung hat sich durchaus bewährt.
23.
Die Anordnung der Waaren war von Seiten des Reiches unter
dem Vorbehalte übernommen worden, für gewisse Gegenstände, deren
Behandlung ohne Mitwirkung der Aussteller misslich erscheinen würde,
die Anordnung den letzteren zu überlassen. Die Zahl der Fälle, in
welchen dieser Vorbehalt zur Anwendung gelangte, war gering; die
Natur der Dinge brachte es mit sich, dass das Interesse der Aussteller
in der Regel mit den Wünschen der Ausstellungscommission zusammen
traf und dass der Aussteller demgemäss die Anordnung seiner Waaren
übernahm, ohne vorher auf diese Nothwendigkeit hingewiesen zu sein.
Vornehmlich war dies in der Maschinenausstellung und in denjenigen
sonstigen Ausstellungen der Fall, denen ein sorgfältig combinirter Plan
zu Grunde lag. Der Ausstellungscommission blieb hier in der Hauptsache
nur die Sorge, dass bei den Arbeiten den Ausstellern die genügenden
Arbeitskräfte zur Hand waren. Obwohl sie für diesen Zweck über eine
ansehnliche Arbeiterzahl verfügte, konnte sie nicht immer die An
sprüche befriedigen, wenn bald die überstürzende Hast des Einzelnen,
bald ein plötzlicher Andrang zahlreicher Aussteller sie unvorhergesehe
nen Anforderungen gogenüberstellte.
Für die mit der sachverständigen Anordnnug der Waaren ver-