68 DeutschIand auf der Wiener Weltausstellung 1873.
grösseren Staaten zur Regel geworden, noch besondere Kataloge über
ihre eigenen Ausstellungen herzustellen. Man wünscht eben über die
eigene Ausstellung vollständigere Mittheilungen zu bringen, als von
einem, in den Grenzen der Brauchbarkeit gehaltenen, Generalkataloge
zu erwarten sind. Man wünscht diese Mittheilungen überdies der Ge-
sammtheit der eigenen Landesangehörigen zugänglich zu machen, wenn
der Generalkatalog in einer fremden Sprache redet.
Die letztere Rücksicht trat in Wien für Deutschland zwar in den
Hintergrund. Dessenungeachtet schien es der Centralcommission be
denklich, die Einführung in die eigene Ausstellung einem Werke zu
überlassen, von dessen Anlage, Inhalt und Vorbereitung trotz aller Be
mühungen so gut wie nichts zu erfahren war — und der Verlauf der
Dinge hat ihre Bedenken gerechtfertigt. Die Commission gelangte im
October 1872 zu dem Entschlüsse, einen besonderen Katalog über die
deutsche Ausstellung herauszugehen. Er sollte sich nicht auf ein nack
tes Verzeichniss der Aussteller beschränken, sondern gleichzeitig über
die ausstellenden Geschäfte — unter Ausschluss der Kunst und der
Landwirthschaft, deren Verhältnisse dazu nicht angethan waren — ge
drängte statistische Mittheilungen und an der Spitze der einzelnen
Gruppen über die Entwickelung, den Stand und die Verbreitung der
wichtigeren Industriezweige Deutschlands technisch-statistische Skizzen
bringen. Eine Uebersicht über die wichtigsten statistischen Verhält
nisse des deutschen Reiches gedachte man dem Werke voraus zu schicken.
In dieser Gestalt konnte das Werk auch dem mit deutschen Zuständen
nicht vertrauten Publicum eine schnelle Orientirung über die für die
Beurtheilung der deutschen Ausstellung bedeutsamen Verhältnisse bieten.
Die Aufgabe war in mehrfacher Hinsicht schwierig. In kurzer
Zeit galt es ein sehr umfangreiches Material zu sammeln, zu sichten und
in die knappe, durch den Katalog gebotene, Form zu verarbeiten. Zu
dem einen bedurfte es der thätigsten Mitwirkung der Landesbehörden,
zu dem anderen der Heranziehung zahlreicher technischer und litera
rischer Hilfskräfte. Auch der Druck eines solchen Werkes ist von un
gewöhnlicher Mühsamkeit, trotzdem erheischt er die möglichste Be
schleunigung und stellt auch in anderen Beziehungen technische An
forderungen, denen nur hervorragende Werkstätten gewachsen sind.
Gerade in den Tagen, als es sich um die Vergebung dieser Arbeiten
handelte, störten leidenschaftliche Bewegungen in der Arbeiterwelt die
Thätigkeit der deutschen Druckereien. Die Einhaltung bestimmter
Lieferfristen und die rasche Abwickelung der Arbeiten schienen un
möglich geworden zu sein; die Uebernahme des Druckes stiess auch in
grossen Werkstätten auf Bedenken. Schliesslich fand sich die König
liche Geheime Oberhofbuchdruckerei in Berlin dazu bereit und
sie entledigte sich der schwierigen Aufgabe mit eben so viel Umsicht
wie Entgegenkommen.