Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873, 69
Die Vorarbeiten begannen mit der Aufstellung eines Fragebogens,
durch welchen die nötbigen Mittbeilungen über die ausstellenden Ge
schäfte nach deren wichtigsten Beziehungen in Form von Antworten
auf genau formulirte Fragen eingezogen werden sollten. Als die Grund
lage des ganzen Werkes wurde er erst nach sorgsamen Erörterungen
mit hervorragenden Vertretern der Technik und Verwaltung festgestellt.
Um die Mitte des December ging er den Ausstellern durch die Landes
commissionen zu. Den Landescommissionen fiel demnächst die Ein
sammlung der Antworten und die Sichtung ihres Inhaltes anheim. Im
Laufe des Januar 1873 gelangte das so gewonnene Material an die
Centralcommission. Für die mühsame Verarbeitung seines reichen, aber
rohen Inhaltes waren in dem königlich preussischen Regierungsrath
Wichgraf und in dem Professor Kerl an der Berliner Bergakademie
zwei Redaotoren berufen, welche nach den von der Centralcommission
gegebenen Maassgaben mit Unterstützung einer Anzahl technisch ge
bildeter Gehilfen die Arbeiten druckfertig stellten. Noch im Laufe des
Druckes wurden dieselben sodann von der Ausstellungscommission in
Wien, welche über die Aussteller und die Ausstellungsgegenstände
inzwischen ein sichereres Bild gewann, einer letzten Revision unterwor
fen, um die möglichste Uebereinstimmung mit den thatsächlichen Ver
hältnissen zu erzielen. Für die technisch-statistischen Mittheilungen
am Eingänge der einzelnen Gruppen war die Hilfe einer grösseren An
zahl anerkannter Fachmänner gewonnen worden. Den allgemeinen
Ideengang ihrer Arbeiten hatte die Centralcommission festgestellt. Die
Gesammtredaction, deren sie im Interesse einer gleichmäßigen Fassung
und sachlichen Uebereinstimmung bedurften, wurde im Namen der
Centralcommission mit Unterstützung ihrer Beamten von dem königlich
bayerischen Hofrath Dr. R. Wagner bewirkt.
Es gelang diese Arbeiten rasch genug zu fördern, um gegen Ende
März 1873 mit dem Drucke des Werkes beginnen zu können. Gleich
wohl beanspruchten die während des Druckes erforderlichen Revisionen
der Ausstellerverzeichnisse so viel Zeit, dass der Katalog erst gegen
Ende Mai, und auch da zunächst ohne Berücksichtigung der Kunst
ausstellung, erschien. Seine erste Auflage war nur in einer beschränk
ten Zahl yon Exemplaren ausgegeben, sie sollte nur dem dringendsten
Bedarf genügen, im Uebrigen aber als Unterlage für eine nochmalige
Revision im Wege einer genauen Vergleichung mit dem Inhalte der
nun vollendeten Ausstellung dienen. Nur so waren die immer noch
zahlreichen Irrthümer auf ein Mindestmaass zu verringern. Nach die
ser Schlussrevision wurde der Katalog, unter nachträglicher Berück
sichtigung der Kunstausstellung, in mehreren Auflagen verbreitet. Die
Aufnahme war eine so unverhofft günstige, dass die Ausstellungscom
mission der Nachfrage nicht immer zu genügen vermochte. Erst gegen
das Ende der Arbeiten des Preisgerichts, als die Aussteller den Platz