70 Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873.
verliessen, auch sonst der Besuch der Ausstellung auf das Aeusserste
sank und gleichzeitig in letzter Stunde, kaum noch erwartet, ein Ge
neralkatalog erschien, erfuhr seine Verbreitung einen erheblichen Rück
gang. Im Ganzen sind bis zum Schlüsse der Ausstellung 5605 Exem
plare von der Commission abgegeben worden.
Um die Verbreitung des Werkes möglichst zu fördern, hatte die
Centralcommission beschlossen, den Preis nicht höher anzusetzen, als
die Deckung der Unkosten erforderte. In Folge der unerwartet schnel
len Verringerung des Absatzes in der zweiten Hälfte der Ausstellungs
zeit blieb indess ein Theil der Bestände unverkauft und ein entspre
chender Theil der Kosten ohne Deckung.
Der Katalog hat indessen mit dem Schlüsse der Ausstellung seinen
Werth nicht ganz verloren; vermöge seines reichen technisch - statisti
schen Inhaltes darf er auch jetzt noch als eine schätzbare Quelle der
Belehrung über die gewerblichen Zustände Deutschlands gelten.
Das Preisgericht.
27.
Keine Institution der Ausstellungen hat im Laufe der Entwicke
lung des Ausstellungswesens so sehr unter theoretischen Bedenken und
praktischen Misserfolgen zu leiden gehabt wie die Preisgerichte. Auf
der ersten internationalen Ausstellung in London wurde überhaupt nur
. e * n ^ re * s verliehen, aber schon die damaligen Erfahrungen bestimmten
auf der nächsten Ausstellung in Paris den Präsidenten der kaiserlichen
Commission, die Zweckmässigkeit der ganzen Einrichtung anzugreifen.
Wie über alle ähnlichen Meinungsäusserungen von weniger bedeut
samer Stelle aus, gingen indess die Thatsachen auch hierüber hinweg.
Mit den späteren Ausstellungen mehrten sich die Preise, es mehrten
sich mit ihnen zwar die Missstände und Klagen; aber immer grösserer
Ki eise Interessen wurden mit der Einrichtung verflochten und schütz
ten sie vor dem Untergang.
_ s t an d man unter dem Einfluss einer angesehenen Tradition,
als in Wien beschlossen wurde eine Jury zu berufen. Ihre Organisation
wurde mit grosser Vorsicht eingeleitet; fast im letzten Augenblicke,
2wei Monate vor Eröffnung der Ausstellung, nach wiederholter Prüfung
und Umarbeitung wurde ein Statut für die Bildung und Thätigkeit
der Jury veröffentlicht, dessen Bestimmungen im Wesentlichen auf den
Erfahrungen der'letzten Pariser Ausstellung fussten.
Der internationale Charakter des Preisgerichtes war nicht nur
festgehalten, er war sogar strenger als auf früheren Ausstellungen
durchgeführt. Die Zahl der Preisrichter, welche ein jedes betheiligte