80 Deutschland auf der Wiener Weltausstellung 1873.
Kaiserin, ihm wieder, in der zweiten Hälfte des Oetober, der Besuch
des deutschen Kaisers, welcher die Reihe der Fürstenbesuche in
glänzendster Weise beschloss.
. Dass der Zudrang zur Ausstellung nur kurze Zeiten hindurch zu
einer ihrer Grossartigkeit entsprechenden Höhe gelangte, war, wie für
das Ganze, so insbesondere für den deutschen Theil schwer zu bekla
gen. Es erwuchsen den Ausstellern daraus manche nicht erwartete
Opfer. Lassen sich auch die Wirkungen der Ausstellungen in ihren
weiteren Schwingungen nur schwer bestimmen und mag in diesen vie
les den Ausgleich finden, was an unmittelbarem Gewinn den Betheilig
ten entging, — als Gesammteindruck der Ausstellung ist dennoch ge
blieben, dass der Gewinn aus dem Unternehmen nicht im Yerhältniss
gewesen zu den Opfern, welche den Einsatz gebildet hatten. Dieser
indruck behauptete sich trotz der zahlreichen Anregungen, die ge
rade für Deutschland die Ausstellung ergab, trotz vieler Verbindungen,
die dort neu geschlossen oder enger geknüpft wurden, und trotz des
ehrenvollen Gesammtergebnisses, mit welchem Deutschland von dem
Schauplatze abtrat.
Die Ursache davon fällt nicht auf Deutschland zurück. Sie beruhte
eben in Ereignissen, die unvorhergesehen und mit Schlägen von ele
mentarer Kraft die Früchte des grossartigen Werkes trafen. Vielleicht
mit Ausnahme der dem wirthschaftlichen Verkehre entrückten Völker
tles Ostens wurden davon alle theilnehmenden Staaten und Länder
mcht minder tief als Deutschland berührt.
Auflösungsarbeiten.
30.
Programmgemäss sollte die Ausstellung, nach sechsmonatlicher
Dauer, mit dem Schlüsse des Oetober ihr Ende finden. Die unverhoffte
Theilnahme, welche ihr die letzten Wochen vorher noch gebracht hat-
ten, führte zu einer zweitägigen Verlängerung. Am Nachmittage des
Allerseelentages, als die hohe Rotunde unter den letzten Strahlen der
sinkenden Sonne erglänzte, schlossen sich unter dem Andrange gewal-
tiger Zuschauermassen, deren ernste Haltung den Augenblick weihte,
ihre Thörey Im Augenblicke des schönsten Glanzes, endlich im Siege
über langwierige Krisen, im ersten Genüsse der mühsam errungenen
Volksgunst war ihr das Ende gesetzt.
Schon am nächsten Morgen bot der bis dahin so festliche Schau
platz das Bild eines ungeheuren Arbeitsfeldes, von welchem Schmuck
und Glanz wie im Zauber schwanden. Es galt die Anstrengung aller
Kräfte, da bis zum Schlüsse des Jahres die Gebäude geräumt sein sollten.