MAK

Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

469 
I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 
Diese Beispiele, welche denReichtlmni der Ausstellung von Jack 
son & Graham bei Weitem nicht erschöpfen, mögen genügen, um zu 
erhärten, was oben (S. 397) über die durch sie vertretene Richtung 
dieser Firma lobend gesagt worden. 
Die Ausstellung von Morant, Boyd & Blanford in London 
hot ein sehr bemerkenswerthes Schlafstubenmobiliar von unpolirtem, 
amerikanischem Eschenholz. Lehrreich waren die zu demselben ge 
hörigen Kasten- und Bettmöbel durch den wohlbedachten Versuch, von 
der üblichen Gliederung, welche rein dem architektonischen Aufbau 
entlehnt ist, zu einer der Natur des Geschränkes mehr entsprechenden 
Zusammensetzung zurückzukehren In dieser Hinsicht begegnete sich 
dieser Versuch mit dem des Architekten Monighetti als Zeichner der 
Möbel des Petersburgers Stange. Was ihn weniger bedeutsam als 
letzteren für uns machte, war einmal eine gewisse nüchterne Schlicht 
heit im Ganzen, eine Trockenheit im Detail, welche sich freilich ihrer 
Unzulänglichkeit selbst bewusst geworden, indem sie den Schmuck dei; 
Hauptsache nach bei einer dem Holze fremden Technik erborgt hatte. 
Ueber die Einzelheiten ist zu bemerken: Die senkrechten Glieder 
haben die Gestalt vierkantiger Prismen, soweit eine oder zwei ihrer 
Seiten Falze zur Aufnahme der Bretter enthalten, welche das Beschränk 
zum Kasten vervollständigen; soweit sie aber allseitig frei in die 
Erscheinung treten, z. B. stehen^ als Füsse oder Betthimmelstützen, 
oder als Träger von Börtern, zeigen sie der Drehbank entsprungene 
Formen. An ihren vierkantigen Theilen ist von der dem Holze eigen 
tümlichen Abfasung bei den Ecken nur ausnahmsweise behufs Ver 
mittelung der prismatischen mit der cylindrischen Form, bei den Kan 
ten gar nicht Gebrauch gemacht. In letzterem Falle tritt an Stelle der 
Abfasung eine die Kante begleitende Hohlkehle, und zwar bei längeren 
Stücken in mehrfacher, den anstossenden Brettfüllungen entsprechender 
Unterbrechung. Letzteres Motiv kommt auch zu annähernder Geltung 
bei den gedrechselten Theilen, welche durchgängig die Form einer von 
schmalen, scharfen Einschnitten, von Hohlkehlen, von Doppelthohlkeh 
len mit zwischenliegendem Rundstab unterbrochenen Walze, an den 
Füssen und am unteren Ende der Lisenen die Form umgekehrter Ke 
gel zeigen. Vasenförmige oder reicher geschwungene Zwischenglieder, 
die bei den Stange’schen Möbeln nachdrucksvoll auftreten, sind völlig 
vermieden. Die wagerechten Glieder des Rahmenwerkes sind als ein 
fache Simse eharakterisirt. Bei den Schränken haben die vor die 
Pfosten frei vortretenclen, gedrechselten Lisenen Vorkröpfungen des 
Simses im Gefolge. Dabei ist die von der Säule unterschiedliche Func 
tion dieser Lisenen deutlich betont, indem man sie oberhalb des Sim 
ses fortsetzte und mit einem Knauf endigte. 
Die Wände der Schränke sind anscheinend in der Weise herge 
stellt, dass man an Stelle von Tafeln schmale Bretter mit den Enden
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.