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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.
Diese Beispiele, welche denReichtlmni der Ausstellung von Jack
son & Graham bei Weitem nicht erschöpfen, mögen genügen, um zu
erhärten, was oben (S. 397) über die durch sie vertretene Richtung
dieser Firma lobend gesagt worden.
Die Ausstellung von Morant, Boyd & Blanford in London
hot ein sehr bemerkenswerthes Schlafstubenmobiliar von unpolirtem,
amerikanischem Eschenholz. Lehrreich waren die zu demselben ge
hörigen Kasten- und Bettmöbel durch den wohlbedachten Versuch, von
der üblichen Gliederung, welche rein dem architektonischen Aufbau
entlehnt ist, zu einer der Natur des Geschränkes mehr entsprechenden
Zusammensetzung zurückzukehren In dieser Hinsicht begegnete sich
dieser Versuch mit dem des Architekten Monighetti als Zeichner der
Möbel des Petersburgers Stange. Was ihn weniger bedeutsam als
letzteren für uns machte, war einmal eine gewisse nüchterne Schlicht
heit im Ganzen, eine Trockenheit im Detail, welche sich freilich ihrer
Unzulänglichkeit selbst bewusst geworden, indem sie den Schmuck dei;
Hauptsache nach bei einer dem Holze fremden Technik erborgt hatte.
Ueber die Einzelheiten ist zu bemerken: Die senkrechten Glieder
haben die Gestalt vierkantiger Prismen, soweit eine oder zwei ihrer
Seiten Falze zur Aufnahme der Bretter enthalten, welche das Beschränk
zum Kasten vervollständigen; soweit sie aber allseitig frei in die
Erscheinung treten, z. B. stehen^ als Füsse oder Betthimmelstützen,
oder als Träger von Börtern, zeigen sie der Drehbank entsprungene
Formen. An ihren vierkantigen Theilen ist von der dem Holze eigen
tümlichen Abfasung bei den Ecken nur ausnahmsweise behufs Ver
mittelung der prismatischen mit der cylindrischen Form, bei den Kan
ten gar nicht Gebrauch gemacht. In letzterem Falle tritt an Stelle der
Abfasung eine die Kante begleitende Hohlkehle, und zwar bei längeren
Stücken in mehrfacher, den anstossenden Brettfüllungen entsprechender
Unterbrechung. Letzteres Motiv kommt auch zu annähernder Geltung
bei den gedrechselten Theilen, welche durchgängig die Form einer von
schmalen, scharfen Einschnitten, von Hohlkehlen, von Doppelthohlkeh
len mit zwischenliegendem Rundstab unterbrochenen Walze, an den
Füssen und am unteren Ende der Lisenen die Form umgekehrter Ke
gel zeigen. Vasenförmige oder reicher geschwungene Zwischenglieder,
die bei den Stange’schen Möbeln nachdrucksvoll auftreten, sind völlig
vermieden. Die wagerechten Glieder des Rahmenwerkes sind als ein
fache Simse eharakterisirt. Bei den Schränken haben die vor die
Pfosten frei vortretenclen, gedrechselten Lisenen Vorkröpfungen des
Simses im Gefolge. Dabei ist die von der Säule unterschiedliche Func
tion dieser Lisenen deutlich betont, indem man sie oberhalb des Sim
ses fortsetzte und mit einem Knauf endigte.
Die Wände der Schränke sind anscheinend in der Weise herge
stellt, dass man an Stelle von Tafeln schmale Bretter mit den Enden