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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe VIII. Holz-Industrie. 
in einander entsprechende Falze der senkrechten Rahmentheile ein 
schob, dabei diese Zusammensetzung nicht verbarg, sondern durch Aus 
kehlung der Stösse betonte — ein Motiv, welches das Hauptrahmen 
werk, das Knochengerüst des Möbels unter besonders entschiedener 
Hervorhebung aller senkrechten Theile ebenso nachdrücklich zur Gel 
tung bringt, wie es die Täfelung im Gegensatz zu jenem als Füllwerk 
zeigt. An die Stelle Mehrerer solcher Füllbretter tritt dann als höhe 
rer Schmuck in der dem Beschauer bequemen Höhe des Schrankes ein 
hölzerner Rahmen, welcher eine bemalte Fayenceplatte einschliesst. 
Wo die Zweckbestimmung des Möbels an und für sich kleineres struc- 
tives Rahmenwerk mit sich brachte, ist der Bildrahmen ohne jene 
Bretterfüllung in den Gerüstrahmen eingefügt. 
Wir haben diesen Morant, Boyd & Blanford’sehen Möbeln 
diese ausführlichere Besprechung gewidmet, weil sie uns einen, wenn 
auch nur annähernd gelungenen Versuch, ab ovo ohne directe Anleh 
nung an historisch fertig Gegebenes zu neuen Möbelformen zu gelangen, 
zu bezeichnen scheinen. Auf ihre ornamentalen Einzelheiten diese Be 
trachtung auszudehnen liegt kein Grund vor, obwohl bei einzelnen 
Motiven auch hier dem Zeichner so etwas wie eine Entwickelung aus 
der Natur des Holzes vorgeschwebt haben mag. Mehrfach, am Sims 
wie als Verzierung von Füllbrettern — (hier keineswegs glücklich und 
theilweise sogar mit einer an einen Bogenschlussstein erinnernden Zu- 
that verballhornt) , begegnet uns das bekannte Scheibenornament, 
wie es z. B. an Fachwerkbauten in Halberstadt und Höxter vorkommt. 
Die Ornamentation ist aber zu dürftig, als dass wir hier dem Macher 
auf die Spuren gehen möchten. Es erübrigt uns nur noch ein Wort 
über die decorative Wirkung der Möbel im Ganzen. Das zugehörige 
Bett war leider nicht aufgestellt, daher wir über dessen Drapirung 
keine Rechenschaft geben können. Die vorhandenen Stücke machten 
einen freundlich sauberen Eindruck, wie er einem Schlafzimmer wohl 
ansteht. Dem Eschenholz war seine weissliche Naturfarbe belassen, 
mit der die blauen Fayencebilder hübsch zusammenstimmten. Letz 
tere waren für diese Möbel besonders entworfen und enthielten den ein 
zelnen Füllungen wohl angepasste Compositionen, Figuren auf den 
grossen, Blumen und I hiere auf den kleinen. Sehr tadelnswerth aber 
war es, dass man für die Schrankthürfüllungen, anstatt sie der erreich 
baren Plattengrösse entsprechend klein zu machen, eine Zusammen 
setzung des Bildes aus zwei Fayenceplatten vorgezogen hatte, deren 
Trennungslinie die {largestellte Figur quer durchschneiden musste. 
Von den sonstigen Arbeiten von Morant, Boyd & Blanford ist 
an dieser Stelle als einziger Vertreter des ebonisirten Birnbaumholzes 
in der englischen Abtheilung ein Sideboard von auffälliger Grösse, 
plumpen Verhältnissen und willkürlich behandelten Renaissanceformen 
zu nennen. Sein Schema ist nicht glücklich gewählt: im Unterbau
	        
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