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Gruppe VIII. Holz - Industrie.
immerhin aber verdient das hier zu Tage tretende Streben der eng
lischen Möbelindustrie vollste Anerkennung und die Nachfolge der deut
schen Industrie, welche um so mehr auf zweckmässige Specialisirung
der Fabrikation von Gebrauchsmöbeln ihr Augenmerk richten sollte,
als ihrem Aufschwung in der Richtung auf Luxus- und Kunstmöbel zu
nächst die verhältnissmässige Armuth der deutschen Gesellschaft hin
derlich ist.
Von den gleichfalls von Cooper & Holt gelieferten Möbeln in
den Lese- und Unterhaltungszimmern der englischen Aussteller ver
dient nur ein Billard Erwähnung, dessen Platte umgekehrt als Lese
zimmertisch oder Speisetafel dienen kann. Der Mechanismus, durch
welchen diese Umkehrung bewirkt wird (Vaile’S Patent), ist kurz der
folgende: Die ganze Platte lässt sich innerhalb des auf der Zarge des
Tisches aufliegenden festen Rahmens um eine (imaginaire) Axe drehen,
deren Endzapfen in entsprechenden Lagern inmitten der Schmalseiten
des Tisches liegen. Um die Speisetafel in den Billardtisch zu verwail-
deln, zieht man gewisse verschiebbare Bolzen an den Seiten der Zarge
heraus, drückt die Platte an ihrer Längsseite nieder, lässt dieselbe eine
Umdrehung von zwei rechten Winkeln machen und setzt die Schieber
wieder ein. Das Billard ist um die Breite des Tischrahmens schmäler
als der Tisch selbst, da die Kautschnkbanden fest unter der drehbaren
Platte liegen. Die Billardtafel besteht aus dem für diesen Zweck sehr
gut geeigneten Walliser Schiefer. Etwaigen Unebenheiten des Fuss-
bodens kann durch Adjustirung beweglicher Träger aus Messing abge
holfen werden. Ob der ganze Apparat den Ansprüchen der Billard
spieler von Profession genügt, mag dahingestellt bleiben, für die Ein
richtung des bürgerlichen Wohnhauses ist dies Möbel eine willkommene
Bereicherung. Die Preise stellen sich einschliesslich zweier Queues, einer
Stütze, Anschreibetafeln und der nöthigen Kugeln bei einer Sehiefer-
fläche von 5' (1'52 m) zu 3* 6" (273 m) und einer Tischfläche von 6' 2"
(1*88 m) zu 3' 8" (171m) auf 520 Rmk. in Hondurasmahagoni und auf
580 Rmk. in Eichenholz; bei einer Schieferfläche von 8* (2'44m) zu 4*
(1-22 m) und einer Tischfläche von 9' 2" (279 m) zu 5' 2" (D57 m) auf
900 Rmk. in HondurasmahagonLund 1040 Rmk. in Eichenholz.
Die nicht hauptstädtische Industrie war nur durch Arthur Fo-
ley in Salisbury mit zwei Toilettentischen, nach Zeichnungen von H.
Dickenson, vertreten. Der eine Toilettentisch aus amerikanischem
Birkenholz mit dunkleren Einlagen ist von vier gedrechselten Säulchen
getragen, die auf einem durch feste Sparren verbundenen Gestell fus-
sen; jederseits auf der . hinteren Breitseite der Tischplatte ein einthü-
riges Schränkchen mit schräg ansteigender Bedachung, die in einen
Knauf endigt, aus dem ein dreiarmiger Candelaber hervorwächst; zwi
schen den Schränkchen der drehbare Spiegel. — Das Schema dieses