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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.
ders bemerkenswerth ein zu stark aus seinem Kähmen vorquellendes
aber mit künstlerischer Verve behandeltes Relief auf der Mittelthür des
Unter Schrankes: eine Mildschweinsjagd, anscheinend nach einem Sny-
der’schen Motive. — A. H. F. Wald in Basel zeigte ein Juwelen
schränkchen von unsauberer Arbeit mit geschmackloser Häufung von
Einzelheiten weit auseinander liegender Jahrhunderte, an dem man
unter Anderem alte Dosendeckel oder dergleichen mit Miniaturporträts
in Rocoeofrisuren verwendet sah, während die Formen im Ganzen den
Stil der Renaissance prätendirten. — Hch. Robmann in Turbenthal
(Zürich) bot Stühle, die nach Thonet’schem Muster aus vollem Holz
gebogen waren, aber noch viel, sogar die Symmetrie der Curven zu
wünschen Hessen.
Von den Schnitzern des Berner Oberlandes hatten sich mehrere
zur Herstellung ganzer Möbel verstiegen. Kehrli & Skaehli in Brienz
hatten einen hölzernen Kamin mit Uhr und \ äsen nebst zugehörigen
Fauteuils ausgestellt: in dem Bombast ihres naturaHstischen Aufputzes
im schlimmsten Stile der bekannten Berner Oberlandswaaren und bei
jeglichem Mangel an technischer Gliederung waren sie ein höchst ab
schreckendes Beispiel von der Ungeheuerlichkeit, in welche jene Schnitz
lerei verfallen muss, sobald sie die ihr angewiesenen Grenzen blind
lings zu überschreiten wagt. Nicht besseres Lob verdiente jene Art
von Stühlen und Tischen, welcher man seit einigen Jahren überall be
gegnet, wo Schweizer Schnitzwaaren feilgehalten werden. Der structive
Theil an denselben ist aus dunkel gebeiztem oder braun lackirtem Holze
roh gearbeitet, und ahmt zumeist knorrige Aeste nach; in die Platten
der Tische, in die Sitzbretter und die Lehne der Stühle sind Tafeln
von weisslichem Holze eingelassen, auf welchen in stilloser Ornament
bordüre allerlei Gebirgsansichten, Sennhütten, Gemsenjagden und der
gleichen anscheinend in eingelegter Arbeit dargestellt sind. Sieht man
genauer zu, so findet man aber, dass nur das Wenigste davon wirklich
eingelegt, alles nur aufgezeichnet ist, dass die Schatten, die durch
Brennen oder Gravirung hervorgebracht scheinen, mit Tusche und Fe
der aufgemalt sind, daher diese Arbeiten auch nicht wie die echte In
tarsia, pölirt, sondern nur mit wenig dauerhaftem Lack überzogen
werden. Dieses Genre vertraten Gebrüder Imboden in Ringgenbeig
und J. Flück beim Bächli in Brienz.
Hch. Borei in Genf hatte eine kleine Tischplatte mit Hirnschnit
ten des Alpenkrummholzes ausgelegt. Die feine, klare Zeichnung der
Jahresringe giebt diesem Holze ein sehr gefälliges Ansehen; bei ande
rer als dilettantischer Verwendung möchte man ihm öfter begegnen.
Oesterreich, von dem sich Ungarn auf der Weltaussstellung räum
lich und sprachlich abgesondert hatte, war aus naheliegenden Gründen
zahlreicher vertreten, als irgend ein Land. Die Zahl von 450 Aus-
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