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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe VIII. Holz - Industrie. 
daraus gewonnen werden, dass für das Jahr 1870 die gesammte Pro 
duction sämmtlicher Fabriken im Auslande auf circa 100 000 Möbel 
stücke aus gebogenem Holze geschätzt wurde, wogegen Oesterreich 
deren 530 000 Stück erzeugte, davon allein 450 000 Stück in den Tho- 
net’schen Fabriken 1 )! In wie raschem Wachsthum diese Industrie in 
Oesterreich begriffen ist, werden die auf Seite 495 mitgetheilten spe- 
cielleu Zahlen für 1873 des Weiteren darthun. 
Durch das Ehrendiplom ausgezeichnet wurden drei österreichische 
Möbelaussteller: der k. k. Iloftischler Heinrich Dübell, Bernhard 
Ludwig und Franz Michel 2 ), alle drei in Wien. 
Die Ausstellung H. Dübell’s kann als die geschmackvollste Ent 
faltung einer Eigenthümlichkeit gelten, welche die Wiener Möbel bis 
zu den alltäglichen hinunter durchweg kennzeichnet. Nussbaumfour- 
nier überkleidet das ganze Möbel, gemasertes (Nuss-Flader) auf den 
Füllungsllächen, streifiges auf den schmalen Flächen der Rahmen, wo 
bei mit Vorliebe vermieden wird, die Fasern der Längenrichtung die 
ser Flächen folgen oder diese senkrecht kreuzen zu lassen, vielmehr 
einem schrägen Lauf derselben (etwa in einem halben rechten Winkel 
zu den Kanten) der Vorzug gegeben wird. Um die Schönheit des 
Maserholzes frei zur Geltung zu bringen , macht man spärlicheren Ge 
brauch von der Aufheftung geschnitzter Ornamente auf die Füllungen, 
die sich in Norddeutschland, meist in Gestalt schwerer Trophäen, noch 
so hässlich breit machen. In dieser Richtung nun hatte Dübell das Beste 
geboten. Treffliche, decorativ selbstständige Schreinerarbeit herrscht 
durchaus-vor; alles derselben fern Liegende, Bildhauerarbeit und Intarsia 
sind nur sehr bedachtsam herangezogen. Zu erwähnen ist unter An 
derem ein grosses Wandgetäfel, dessen architektonische Formen in 
guten Verhältnissen angelegt waren, mit breit und sicher behandeltem 
Schnitzwerk der Säulen, Nussflader auf den grossen Flächen, Palisan 
der und Ebenholz als einfassende Streifen, graubraunes (amerikanisches) 
Nussholz als Rahmenleisten. — Sodann eine gute Credenz mit niedrigem, 
aber mit sichertragenden Börtern wohlversehenem Aufsatz, geschnitzte 
Karyatiden am Unterschranke, Greife als Träger der Börter. Die Fül 
lungen belebt durch einfach ornamentale Intarsien von Ebenholz in 
Amboinagrund. Das Rahmenwerk derselben an den Ecken gefällig und 
J ) Bericht über den Handel, die Industrie und die Verkehrsverhältnisse 
in Niederösterreich im Jahre 1870, erstattet von der Handels- und Gewerbe 
kammer in Wien. Wien, 1871. — 2 ) Die Jury der VIII. Gruppe hatte für Franz 
Michel ein Ehrendiplom beantragt und erhielt die officielle Anzeige, dasselbe 
sei nebst den beiden obenerwähnten vom grossen Kath der Jury bewilligt, wäh 
rend ein viertes, für den Wiener Anstreicher Carl Weber verlangtes, abge 
schlagen worden. Wenn nun trotzdem das revidirte amtliche Verzeichniss der 
zuerkannten Preise vom 31. October 1873 Michel nur mit der Fortschritts 
medaille aufführt, kann dem nur ein Irrthum zu Grunde liegen, welchem 
gegenüber ich den obigen Thatbestand entschieden aufrecht erhalte. J. B.
	        
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