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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 487
in einer Nebengallerie ausgestellte Sammlung von Arbeiten der Ge
fangenen veranschaulichte den methodischen Gang, welchen daselbst
B. Filippi als Leiter und Hermann Lindenberg als Bildhauer
werkführer für die Ausbildung ihrer Lehrlinge befolgen.
Das dritte der österreichischen Ehrendiplome führt uns unmittelbar
in den Wirkungskreis des österreichischen Museums für Kunst
und Industrie. Als im Jahre 1869 der Neubau dieser Anstalt seiner
Vollendung entgegenreifte und dessen Eröffnung mit einer Kunstindustrie
ausstellung beschlossene Sache war, bewilligte der Kaiser die Summe
von 50 000 fl. zu dem Zwecke, dass hierfür einige zum Gebrauche des
kaiserlichen Hofes bestimmte kunstgewerbliche Gegenstände in muster
gültiger Weise zur Ausführung gelangen sollten. Vornehmlich wurden
die an der Kunstgewerbeschule wirkenden Lehrkräfte berufen, bei der
Ausführung dieses Auftrages mitzuarbeiten. Unter den in Folge des
selben angefertigten Prachtstücken befanden sich zwei Möbel. Eines
derselben, ein nach Prof. J. Storck’s Entwurf ausgeführter Schmuck
schrank, war in der österreichischen Möbelausstellung zu sehen und
brachte dem Wiener Tischler Franz Michel, dessen Firma es trug,
die höchste Auszeichnung ein. In der That war die Ausführung des
köstlichen Entwurfes eine wahrhaft meisterliche, dieser Schmuckschrank
das beredteste Zeugniss für die eminente Leistungsfähigkeit der Wie
ner. Jackson & Graham in der englischen, Boudillon und Four-
dinois in der französischen Abtheilung hatten wohl Auffallenderes,
aber nichts Schöneres erreicht.
Das Schema des Storek’schen Schmuckschrankes ist das des ein
fachen Cabinets: auf festem, durch Sparren unverrückbar verbundenem
Gestell ein mit zwei Thüren verschliessbarer Kasten, dessen Inneres
ein von Schubladen umgebenes Schränkchen birgt. Musste diese Möbel
form einer späteren Zeit entlehnt werden, so ist doch das gesammte
Ornat bis in alle Einzelheiten aufs Anmuthigste im Geiste der reinsten
italienischen Renaissance durchgebildet. Der Untersatz und der Kasten
sind in schwarzem Ebenholz ausgeführt, eingelegte Ornamente aus
braunem Birnbaumholz schmücken alle Theile aufs Beste. Die Schub
laden sind mit eingelegtem Elfenbeinornament verziert, dessen Gravi-
l-ungen Bader so zart wie sicher mit vollem Kunstverständniss durch
geführt hat. Im Besonderen gilt dies von den wappenhaltenden Putten
auf der kleinen Innenthür, welche von Prof. Laufberger, dem Maler
. der lieblichen Kinderbilder im Wiener Opernhause, gar anmuthsvoll
im Geiste des Quattrocento gezeichnet sind. Laufberger hat auch die
Herstellung der gemalten Tafeln übernommen, welche die Innenflächen
der Kastenthüren schmücken sollen und auf der Weltausstellung noch
vermisst wurden.
Das zweite der aus erwähntem Anlass für den Kaiser angefertig
ten Möbel, das von Valentin Teirich als Umhüllung einer einbrueh-