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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.
In ihrer Art vollkommene, sehr anziehende Beispiele der Einrich
tung von Wohnräumen hatten die Japaner in einer Reihe von Compar-
timenten ihres Hofeinbaues zusammengestellt.
Für eine, künftige Weltausstellung empfiehlt es sich, der in den
angedeuteten Beispielen bethätigten Richtung entschiedeneren Ausdruck
zu geben, als in Wien der Fall war. Aber noch ein anderer Gesichts
punkt verdiente, besonders von Seiten der Deutschen, eine wohlbedach
tere Würdigung : nicht nur die Zimmer im Ganzen, auch die einzelnen
Möbel sollten womöglich in eben der Vollständigkeit und Ausschmückung
zur Ausstellung gebracht werden, in der sie beim Gebrauch sich darzu
bieten bestimmt sind. Holzgestelle für Sitzmöbel als nackte Gerüste
zu bringen, scheint schon Wenigen mehr schicklich, die Wenigsten aber
haben ein Verständniss dafür, dass z. B. eine Credenz mit kahler
Marmorplatte, mit leeren Börtern und Consolen ein Ding ist, das uns
im wirklichen Leben nicht vor Augen kommt oder doch nicht kommen
sollte, mit anderen Worten, dass die ergänzende Ausstattung derselben
mit allerlei thönernem oder metallenem Geräth gewissermaassen einen
integrirenden Theil des Möbels ausmacht, dass letzteres nur dann sei
nen Zweck vollkommen erfüllt, wenn es derartigem Geräth auch pas
sende und in richtigem Verhältniss zum Ganzen angebrachte Standorte
anweist. Man versuche nur einmal die praktische Durchführung dieses
Gedankens bei unseren landläufigen Credenzen und man wird alsbald
ihrer Fehler im Aufbau gewahr werden: der Unschönheit ihrer mit
mageren Consölchen, aber desto fetteren Reliefs versehenen Rückwand, .
und der unruhig ausgeschweiften, eines kräftigen Abschlusses entbeh
renden Bekrönung der letzteren. Man vervollständige einen Side-Board,
wie den von Cooper & Holt ausgestellten, so wie er bei besetzter
Tafel prangen soll, und man wird nicht lange im Zweifel darüber sein,
wie verfehlt die Bemalung seiner Rückwand —- mit ländlichen Scenen
in ungebrochenen Farben auf Goldgrund —, denn, man setze darauf,
was man wolle, die Farben und Glanzlichter werden durch einander
schreien, die stückweise Verdeckung der Bilder weder diesen noch dem
davorgestellten Geräth zum Vortheil gereichen. Der Anschauungs
unterricht, welcher durch dergleichen Vervollständigungen def Möbel
auf den Ausstellungen dem Publicum ertheilt würde, müsste den wohl-
thätigsten Einfluss üben auf die Entwickelung des Verständnisses für
eine geschmackvolle Gestaltung des äusseren Lebens. Nicht den Cre
denzen, Buffets, Sideboards allein würde dies zu Gute kommen, auch
zahlreichen anderen, insbesondere allen zur Schaustellung irgend wel
cher Gegenstände bestimmten Möbeln : Etageren, Schauschränken für
Pretiosen und Raritäten, Büchergestellen und Bücherschränken, Con
solen uud Ständern. Holland &Sons hatten ihren grossen in einem
wunderlichen Mischstil von gothischen Zierformen und Lederrollwerk
ausgeführten Bibliothekschrank seiner Bestimmung gemäss mit Büchern