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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.
behaglich abgrenzen lässt. Auch eine zusammenlegbare Credenz zum
Preise von 120 fl. war einfach praktisch construirt. Die Frage nach
stilvoller Schönheit ist hier nicht zu stellen; es kann kein Vorwurf
sein, dass diese für die beschränkten Wohnungsverhältnisse wenig Be
mittelter berechneten Gebrauchsmöbel sich in jener Hinsicht von den
anderen landläufigen Möbeln der Wiener Möbelmagazine nicht unter
scheiden.
Von anderen Ausstellern, welche die Wiener Specialität der zu
sammenlegbaren Möbel vertraten, sind noch zu nennen: Chr. Schnei
der mit netten, leichten, leicht und völlig zusammenlegbaren Betten
in Art der Feldbetten (23 fl.); J. Plaschkowitz mit zusammenleg
baren Kinderwagen für Etagenbewohner (38 fl.).
Ferner hatten ausgestellt: Josef Hassa & Sohn ein Bettgestell
in überreichem, ganz in Schnörkel, Putten und schweres Blumenwerk
aufgelöstem Schnitzwerk aus abwechselnd mattem und polirtem Nuss
holz , in einer virtuosen Mischung von Barocke und Rococo, ein anti
quarisches Machwerk, dem in der herrschenden Renaissanceströmung
Vorschreitenden sicher schauderhaft, doch nicht ohne pompöse Wirkung;
die Draperien eines edleren Möbels würdig, in himmelblau und natur
gelber Seide, mit venetianischer Spitzenstickerei; Preis 15 000 fl.
M. Albert & Sohn: ein grosser Bibliothekschrank mit Arbeits
tisch, Uhr, Barometer; Renaissance; Nussholz, gemalte Füllungen.
Carl Stein: Credenz, Ausziehetisch (das mittlere Brett legt sich
mit Hilfe eines Mechanismus von selbst an seinen Platz) und zwölf
Stühle, Ebenholz mit schwerfälligen Schnitzereien aus Buchsbaum,
wüste Zeichnung; Preis 11 000 fl.
Karl Kratky: mit Perlmutter, Messing und gefärbten Hölzern
sehr bunt eingelegte Schrankmöbel (Exportgeschmack), Preise 500 bis
900 fl.
Vinc. Mathiasko: grosser Tisch zu 2000 fl., die Platte mit
sauber eingelegtem Flechtmuster von Amaranth, Ebenholz, Rosenholz,
Perlmutter und Messing.
Donat Kramer, Anton Czaufa, Franz Gruber: alle drei mit
nussbaum fournierten Möbeln im Wiener Geschmack; gute Arbeit und
Streben nach besserer Zeichnung.
Michael Oerley: ein Bücherschrank, Herrenschreibtisch, soge
nannter Ministertisch, und fünf Fauteuils; Nussholz, eingelegt mit zier
lichen schwarzen Arabesken, doch verunziert durch aufgelegte dicke
Reliefornamente; Preis 5000 fl.
Johann Kressei: zwei trefflich gearbeitete Stühle, gothisirende
Details, 200 bis 300 fl. das Stück.
Richard Ludwig: ein Cabinet aus Ebenholz mit Elfenbeinein
lagen, 1600 fl., ein Tisch in ähnlicher Arbeit 700 fl.
Alois Fiichs: nette Comptoirmöbel aus polirtem, hellem Eichen-