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Full text : Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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I.  Die  Erzeugnisse  der  Möbeltischlerei  etc.
werden.  F.  &  M.  Podany  in  Hernals  bei  Wien:  die  bekannten  billigen
Fächer  aus  mosaikartig  zusammengesetztem,  sehr  dünn  geschnittenem
Holze.
Von  den  Leistungen  der  Möbelindustrie  ausserhalb  der  Hauptstadt
erregten  das  lebhafteste  Interesse  die  gebogenen  Möbel.  Nicht
dass  in  dem  technischen  Verfahren  ein  wichtiger  Fortschritt  zu  Tage
getreten  wäre,  wohl  aber  durch  die  ausserordentliche  Ausdehnung,  zu
welcher  diese  Specialität  sich  aufgeSchwüngen  hat.  Das  Verfahren,
wie  die  zugeschnittenen  oder  gespaltenen,  behobelten  oder  geschnitzten
Hölzer  in  kochendem  Wasser  oder  in  Dampfbehältern  mit  heisser
Feuchtigkeit  getränkt,  wie  die  hierdurch  äusserst  biegsam  gewordenen
Stücke  in  eisernen  Formen  von  entsprechender  Krümmung  gepresst
und  in  denselben  langsam  getrocknet  werden,  um,  herausgenommen,
die  Krümmung  nicht  wieder  zu  verlieren,  darf  im  Wesentlichen  als  bekannt ­
  vorausgesetzt  werden.
Allen  Fabriken  ähnlicher  Art  Oesterreichs  wie  des  Auslandes  voran
stehen  diejenigen  der  Gebrüder  Thonet.  Die  ausserordentliche  Bedeutung ­
  derselben  in  industrieller  Hinsicht,  in  welcher  sie  selbst  die
skandinavischen  Tischlereifabriken  weit  überragen,  erhellt  am  besten
aus  einem  die  wesentlichen  Momente  kurz  hervorhebenden  Ueberblick
über  ihre  Entwickelung.  Bekannt  ist,  dass  die  Fabrikation  der  Möbel
aus  gebogenem  Holze  zuerst  von  dem  erst  im  Jahre  1871  gestorbenen
Vater  der  gegenwärtigen  Fabrikinhaber,  Michael  Thonet,  zu  Boppard
  am  Rhein  betrieben  worden  ist.  Anfänglich,  im  Jahre  1837,  richteten ­
  sich  diese  Versuche  nur  auf  die  Biegung  einzelner  Möbeltheile.
Sodann  wurden  ganze  Stühle  aus  gebogenen  Stücken  zusammengesetzt,
welche  auf  solche  Weise  hergestellt  waren,  dass  mehrere  Schienen  zusammengebogen ­
  und  gleichzeitig  fest  zusammengeleimt  wurden,  wobei
der  Leim  die  durch  die  Krümmung  entstehende  Spannung  auszuhalten
hatte.  Mittelst  dieses  Verfahrens  konnte  man  allerdings  einseitige
Biegungen  hervorbringen.  Sein  Verfahren  ,weiter  verfolgend,  kam
Thonet  auf  den  Gedanken,  die  einseitig  gebogenen  Holzstücke  wieder
in  Schienen  zu  zerschneiden,  und  das  Verfahren  zwecks  Erzielung  der
zweiten  Biegung  zu  wiederholen.  Die  so  gewonnenen  doppelt  gebogenen ­
  Stücke  waren  allerdings  sehr  dauerhaft,  die  Herstellung  indessen
zu  mühsam,  um.  industriellen  Erfolg  versprechen  zu  können.  Auch
ein  späterer  Versuch,  die  sofortige  zweifache  Biegung  durch  Zerschneidung ­
  oder  Spaltung  des  Holzes  in  zwei,  aufeinander  senkrechten  Richtungen ­
  zu  erreichen,  gab  zwar  durch  die  sorgfältige  Leimverbindung
dauerhafte  Krümmungen,  aber  noch  keine  Aussicht  auf  Ausnutzbarkeit
im  Grossen.  Diese  wurde  erst  ermöglicht,  als  die  Grundzüge  des  noch
heute  befolgten,  oben  angedeuteten  Verfahrens  feststanden.  Mit  dieser ­
  Erfindung  Hess  Thonet  sich  in  Wien  nieder,  gründete  daselbst
1850  in  Gemeinschaft  seiner  fünf  Söhne  die  erste  Fabrik.  Die  nächste
            
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