495
I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.
werden. F. & M. Podany in Hernals bei Wien: die bekannten billigen
Fächer aus mosaikartig zusammengesetztem, sehr dünn geschnittenem
Holze.
Von den Leistungen der Möbelindustrie ausserhalb der Hauptstadt
erregten das lebhafteste Interesse die gebogenen Möbel. Nicht
dass in dem technischen Verfahren ein wichtiger Fortschritt zu Tage
getreten wäre, wohl aber durch die ausserordentliche Ausdehnung, zu
welcher diese Specialität sich aufgeSchwüngen hat. Das Verfahren,
wie die zugeschnittenen oder gespaltenen, behobelten oder geschnitzten
Hölzer in kochendem Wasser oder in Dampfbehältern mit heisser
Feuchtigkeit getränkt, wie die hierdurch äusserst biegsam gewordenen
Stücke in eisernen Formen von entsprechender Krümmung gepresst
und in denselben langsam getrocknet werden, um, herausgenommen,
die Krümmung nicht wieder zu verlieren, darf im Wesentlichen als bekannt
vorausgesetzt werden.
Allen Fabriken ähnlicher Art Oesterreichs wie des Auslandes voran
stehen diejenigen der Gebrüder Thonet. Die ausserordentliche Bedeutung
derselben in industrieller Hinsicht, in welcher sie selbst die
skandinavischen Tischlereifabriken weit überragen, erhellt am besten
aus einem die wesentlichen Momente kurz hervorhebenden Ueberblick
über ihre Entwickelung. Bekannt ist, dass die Fabrikation der Möbel
aus gebogenem Holze zuerst von dem erst im Jahre 1871 gestorbenen
Vater der gegenwärtigen Fabrikinhaber, Michael Thonet, zu Boppard
am Rhein betrieben worden ist. Anfänglich, im Jahre 1837, richteten
sich diese Versuche nur auf die Biegung einzelner Möbeltheile.
Sodann wurden ganze Stühle aus gebogenen Stücken zusammengesetzt,
welche auf solche Weise hergestellt waren, dass mehrere Schienen zusammengebogen
und gleichzeitig fest zusammengeleimt wurden, wobei
der Leim die durch die Krümmung entstehende Spannung auszuhalten
hatte. Mittelst dieses Verfahrens konnte man allerdings einseitige
Biegungen hervorbringen. Sein Verfahren ,weiter verfolgend, kam
Thonet auf den Gedanken, die einseitig gebogenen Holzstücke wieder
in Schienen zu zerschneiden, und das Verfahren zwecks Erzielung der
zweiten Biegung zu wiederholen. Die so gewonnenen doppelt gebogenen
Stücke waren allerdings sehr dauerhaft, die Herstellung indessen
zu mühsam, um. industriellen Erfolg versprechen zu können. Auch
ein späterer Versuch, die sofortige zweifache Biegung durch Zerschneidung
oder Spaltung des Holzes in zwei, aufeinander senkrechten Richtungen
zu erreichen, gab zwar durch die sorgfältige Leimverbindung
dauerhafte Krümmungen, aber noch keine Aussicht auf Ausnutzbarkeit
im Grossen. Diese wurde erst ermöglicht, als die Grundzüge des noch
heute befolgten, oben angedeuteten Verfahrens feststanden. Mit dieser
Erfindung Hess Thonet sich in Wien nieder, gründete daselbst
1850 in Gemeinschaft seiner fünf Söhne die erste Fabrik. Die nächste