I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 497
Auch jene ältere Methode der Herstellung gebogener Möbelbestandtheile
aus dünnen, fournierartigen Blättern, welche durch Kochen in
aufgelöstem Tischlerleim schmeidig gemacht und mehrfach auf einandergelegt
durchaus dauerhaft krumm gepresst werden, wird noch geübt
und kann merkwürdigerweise die Concurrenz der oben erwähnten speditiveren
Methode vertragen. Sie war gut vertreten durch Josef Neyger
in Hernals bei Wien.
Erwähnenswertes in kunstgewerblicher Richtung war aus den
Landeshauptstädten nur vereinzelt nach Wien gelangt. Das Bedeutendste
waren die von Heinrich Rohrs in Prag ausgestellten Möbel.
Neben einem Tisch und grossen Lehnstühlen ein reichgeschnitzter
Schrank aus Nussholz, gleich originell im Grundriss wie im Aufbau. In
der Mitte ein im Unterbau ganz offenes, oben nur durch Gardinen verhängtes
Fach, das oben im Halbrund abgeschlossen und von einem mit
schweren Figuren geschmückten gebrochenen Rundgiebel überragt,
vorn von übers Eck gestellten Hermen flankirt wird. Daneben jederseits
ein schmaler, hoher Schrank, vor dessen Lisenen freistehende Säulen.
Endlich, den Anschluss an die Wand vermittelnd, im Halbrund
abgeschlossene, schlanke Nischen auf viertelkreisförmigem Grundriss
Das Ganze nimmt sich bei tüchtiger Ausführung recht malerisch stattlich
aus. Nur wird man einwerfen müssen, das Alles könne eben so
gut in Stein ausgeführt werden; es sei Architektur, kein Möbel, und
überdies stehe der bedeutende Aufwand in keinem richtigen Verhältmss
zu der erzielten praktischen Verwendbarkeit; in den flachen, schlanken
Nischen lasse sich nur wenig unterbringen, und das im Verhältmss
zur Breite viel zu tiefe mittlere Fach sei unhandlich angelegt.
G. T«. Wuirkner in Carlsbad hatte unendliche Mühe aufgewandt,
alle Theile eines grossen Cabinettes mit einer unruhig bunten, parquettahnlichen
Holzmosaik zu überziehen. - Josef Zugh in Graz zeigte ein
Ebenholzcabmet mit Elfenbeineinlagen, eine etwas provinziell - plumpe
Nachbildung älterer Arbeiten, doch nicht ohne Verdienst. — Alois
Leberbacher 111 Bozen Copien geschnitzter Renaissancemöbel, Buffet
und Stühle, diese nach bekanntem italienischem Modell, in roher aber
nicht ungeschickter Ausführung, deren Wurzel wohl im Antiquitätenlandel
zu suchen ist.— Michael Labuda in Mosciska, Galizien, einen
geschnitzten Rahmen von berindeten Aesten, verziert mit Vergissmeinnichtsträussen,
vielleicht das einzige Stück in der ganzen Weltausstellung,
an dem die naturalistische Richtung einmal wirklich naturwahr
zu sein verstanden hatte.
Ein Innsbrucker, J. Steiner jr., machte den Wiener Fabrikanten
compendiöser Möbel mit einem sehr netten Universalmöbelschrank Concurrenz.
Von aussen ist derselbe von den in Oesterreich üblichen, mit
Nussbaum fournirten, einthürigen Kleiderschränken nicht zu unterscheiden,
sein Inneres enthält Bettgestell mit Drahtmatraze, Bettzeug,
Wiener Weltausstellung. III, 2. or»