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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 
Gewerbe unter der Hand eines Unternehmers verdankt, wie trotz der 
weitesten Specialisirung der Hilfsgewerbe die Einheit des Ganzen und 
seiner nothwendigen oder decorativen Theile nicht aus dem Auge ver 
loren wird. Bekannt ist, zu wie hohen Summen alljährlich die deutsche 
Möbelindustrie den Parisern tributpflichtig ist, weil sie es noch nicht 
verstanden hat, die Hilfsgewerbe, deren Mitarbeiterschaft sie nicht 
entrathen kann, in Deutschland selbst ihrem Dienste anzubequemen. In 
dieser Richtung nun zeigte Wolbrandt einen viel verheissenden Fort 
schritt: die Glasscheiben mit dem eingeätzten zierlich gothisirenden 
Pflanzenqrnament, die aus Neusilber gegossenen und ciselirten Angel 
beschläge, die aus Stahl geschnittenen Schlüssel, alle diese wesentlichen 
Nebendinge waren zum Ganzen passend hergestellt und damit ein Weg 
des Zusammenarbeiten eingeschlagen, dem nur weitere Nachfolge ge 
wünscht werden kann. — Gern sei zugegeben, dass derartige Versuche 
in Deutschland nicht-mehr zu den Seltenheiten gehören, auf der Welt 
ausstellung aber wurden sie, wenigstens in diesem Umfange, vermisst. 
Ein anderer Hamburger, C. A. Fischer, hatte an einem grossen 
Buffet mit zugehörigem Speisetisch und Stühlen in den Formen einer 
modern verschnittenen Renaissance die Beweisführung versucht, dass 
dem Tischler in dem Holz der deutschen Eiche noch andere Schätze 
bereitet sind, als dessen alltägliche Verarbeitung erwarten lässt. Aus 
dem Wurzelstock einer Eiche, deren Stammende das übrige Material 
für die Möbel lieferte, war das schönste, tiefbraune Maserfournier ge 
schnitten worden, das polirt auf den Flächen und als Ueberzug der 
Säulenschäfte diente, während die Gliederungen und das Schnitzwerk 
an den unteren Theilen der Säulenschäfte, auf der Rückwand des 
offenen Mittelfaches des Buffets u. s. w. das Eichenholz in lichtgelber 
Farbe zeigten und diese auch wieder dort zu Tage trat, wo in das 
Maserfournier tief eingeschnittene Ornamente das Blindholz blossgelegt 
hatten. Die Wirkung entbehrte nicht des Reizes der Neuheit, war aber 
doch zu unruhig, um zur Nachfolge ermuntern zu können. Die Tisch 
lerarbeit war eine gediegene, die Schnitzarbeit dagegen, besonders in 
den Maskarous, eine flüchtig conventionelle. 
Davon, dass man die örtlichen Mängel in letzterer Richtung er 
kannt hat, und nicht ohne Erfolg an der Besserung arbeitet, zeugten 
die Schülerarbeiten der hamburgischen Gewerbeschule, davon 
unter Anderem ein aus Nussholz geschnitztes Schlüsselschränkchen und 
ein Spiegelrahmen von A. Kiebacher, beide mit Holzintarsien von 
F. Sander geziert, auch in diesem Zusammenhänge rühmlich erwähnt 
werden dürfen. 
Zu den besten Leistungen der Deutschen in dieser Gruppe zählte 
auch G. C. Mahr’s grosser .Bibliothekschrank, aus Naturnussholz in 
Renaissanceformen gearbeitet, meisterlich in der Ausführung, mit spar 
samer Verwendung von Schnitzarbeit; das sich aber der Beui’theilung
	        
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