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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe VIII. Holz-Industrie. 
gramm zu umrahmen bestimmt ist. (Ueber die Emailplatte an dieser 
Stelle ist S. 410 das Nöthige bemerkt.) Der Stil ist eine durch das 
Studium italienischer Formen geläuterte deutsche Renaissance. Letz 
tere macht sich in den etwas gedrungenen Verhältnissen, in der der 
beren Behandlung vieler Theile, in der schreinermässigen Gliederung 
der Füllungen und in einigen Details der Säulensockel (z. B. aufge 
setzten, facettirten Knöpfen) geltend, doch keineswegs in jener antiqua 
rischen Auffassungsweise, die jetzt von einigen tüchtigen Architekten 
ohne Aussicht, hierdurch unser Kunstgewerbe zu regeneriren, geübt 
wird. Die figürlichen Reliefs, schwebende Frauengestalten auf schma 
len Feldern der oberen fhüren, dem Flötenspie] eines Satyrs lauschende 
Nymphen auf der achtseitigen Mitte des Unterschrankes, waren besser 
gearbeitet, als irgend sonst bei deutschen Möbeln. Alles zeigte, dass der 
Samen, welchen Friedrich in Pariser Ateliers gesammelt, wo er vor 
seiner im Jahre 1862 in Dresden erfolgten Etablirung längere Zeit ge 
arbeitet hat, auf fruchtbaren deutschen Boden gefallen ist. Eine nicht 
löbliche. Reminiscenz daher ist vielleicht die magere Behandlung des 
jonischen Pilastercapitäls, die an den in Wien ausgestellten Arbeiten 
der Pariser auch sehr auffällig war. Für dergleichen Einzelheiten 
könnten unsere Möbelzeichner bei Bötticher und den Schinkelianern 
viel Gutes lernen. In ähnlichem Stil, doch das deutsche Ornament 
schärfer betonend war der zweite, kleinere Prunkschrank, gleichfalls 
ganz von Ebenholz gearbeitet: zwei durch ein kräftig ausladendes 
Glied getrennte zweithürige Schränke. Bei der Kleinheit dieses Stückes 
war der allzu massive, wie aus Stein gehauene Sockel störend. Auch 
muss es als ein Missgriff bezeichnet werden, in die Mitte der oberen, 
dem Auge nahen Füllungen, kräftig unterschnittenes, aber bedeutungs 
loses Rollwerk zu setzen, hingegen zarte Reliefs mit schwebenden Bac 
chanten auf den unteren Thüren anzubringen. Gerade das Umgekehrte 
wäre das Richtige gewesen. 
Nicht mindere Ehre legte Deutschland mit den Erzeugnissen der 
Möbelfabrik von A. Türpe in Dresden ein, dem gleich Friedrich das 
Ehrendiplom zugesprochen wurde. Diese Fabrik besteht seit dem Jahre 
1841, beschäftigt Arbeiter aus allen Hilfsfächern der Möbelindustrie, im 
Ganzen deren über 200, und besitzt zwei Dampfmaschinen von zusam 
men 33 Pferdekraft, sowie eine Dampfschneidemühle. Ausser der Aus 
führung architektonischer Bauarbeiten übernimmt sie die vollständige 
Ausstattung aller inneren Wohnräume. Sie hatte eine grössere Anzahl 
von Musterstücken ausgestellt, die theilweise interessante und in 
Deutschland wenig betriebene Specialitäten vertraten, in ihrer Gesammt- 
heit ein höchst würdiges Bild von der Leistungsfähigkeit und der fort 
schreitenden Entwickelung der deutschen Möbelindustrie darstellten. 
Das bedeutendste Stück war eine nach Manfred Semper’s Entwurf 
in naturfarbenem Nussholz ausgeführte grosse Speisesaalwand: in der
	        
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