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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 515 
die einmal in Bayern und Württemberg die herrschende Richtung ist. 
Dreithüng, von schlankem Aufbau in sehr guten Verhältnissen; das 
mittlere Fach im Rundbogen überhöht, mit einem gebrochenen Flach 
giebel und einer Lucarne, in der eine Büste — zu klein für diese 
Höhe - Aufstellung finden soll. Der Grund des Schrankes besteht 
aus deutschem, gestreiftem Nussbaum, die Gesimse aus amerikanischem 
Nussbaum. Die Ecken, welche durch Einordnung von Achtecken in 
die rechteckigen Füllungen des Unterschrankes frei bleiben, simT mit 
flachenhaft gehaltenen Arabesken von Palisander in Buchsbaum ein 
gelegt und mit Palisander umfasst. In jenen Achtecken flache Schnitz 
arbeiten in naturfarbenem Birnbaum: Embleme der Wissenschaften 
und Künste, diese, in Sonderheit das mittlere mit dem Globus (und dem 
Fernrohr dahinter!), zu schwer in der Zeichnung und nicht gut im Re 
lief behandelt. Die Liseuen des Unterbaues mit Amboina fournirt, 
welches mit Palisander eingefasst ist; die vor ihnen frei stehenden Pi 
laster mit einem würfelförmigen Gliede zwischen den nach Art der 
Hermenfüsse verjüngten unteren Theile und dem schlanken Hals des 
Capitäls; die Flächen dieser Würfel mit einem geometrischen Muster 
aus Königsholz, Palisander, Buchsbaum, Ebenholz und Thuja. Die 
übrige Schnitzarbeit an den Capitälen, an den gebauchten Säulen des 
Oberbaues und dem Aufsatz aus Nussbaum. Das Ganze in solcher Zu 
sammensetzung ausländischer Hölzer ein Unicum in der deutschen Ab 
theilung. 
Der dritte Nürnberger, Daniel Schaeffler, vertrat mit einem 
(undrapirten) Himmelbett, einem Tisch und einigen Sitzmöbeln eine 
mehr antiquarische Richtung der deutschen Renaissance, nicht ohne 
lehrreiche, ja schöne Einzelheiten, doch mit zu vielen ihrer Mängel 
beladen. (Man s. über den Tisch S. 388.) 
Der Hauptsitz der Fabrikation von Holzgalanteriewaaren in 
Deutschland, Nürnberg-Fürth, war durch eine Colleetivausstelluug 
von 20 Ausstellern reichhaltig vertreten. Eine kritische Beurtei 
lung als Kunstgewerbserzeugnisse vertragen die Handschuhkästchen 
Schmuckcommoden, Schreib- und Lesepulte für Damen, Geldcassetten! 
Photographie- und Lichtschirmrahmen, Liqueurflaschenkeller und was 
sonst in jenen Städten von derlei Dingen fabricirt wird, keineswegs. 
Ihre Bedeutung liegt rein auf industriellem Gebiete und misst sich mit 
der Erzielung eines Jahresumsatzes von 1 200 000 Rmk. Nun erhellt 
aber aus der blossen Aufzählung der Gegenstände, dass der Absatz der 
selben doch nur auf den wohlhabenden Theil der Bevölkerung ange 
wiesen ist, man also wenigstens dem europäischen Theil der Käufer 
auf die Dauer nicht ungestraft geschmackloses, wüst ornamentirtes Zeug 
wird bieten dürfen, so billig dies auch sein mag. Um so schätzbarer 
sind daher die Versuche einzelner Fabrikanten, über die bisher herr 
schende Richtung hinaus die Formen ihrer Erzeugnisse zu verbessern, 
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