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Full text : Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

Gruppe  VIII.  Holz-Industrie.
tische,  im  Pariser  Genre,  von  ebonisirtem  Birnbaum  und  mit  Elfenbein
eingelegt  oder  mit  Feldahornflader  und  eingelegten  dunkleren  Hölzern
iournirt.  Die  Haupttheilhaber  der  Firma,  Gerson  und  Weber  geborene ­
  Deutsche,  betrieben  bis  zum  Ausbruch  des  Krieges  ein  Luxusmobelgeschäft
  in  Paris,  wurden  dann  aus  ihrer  Werkstätte  vertrieben
und  gründeten  eine  neue  in  der  deutschen  Heimath,  wohin  ihnen  ein
Theil  ihrer  besten  Pariser  Arbeiter,  welche  zum  Theil  Deutsche  waren
gefolgt  ist.  Sie  besitzen  noch  jetzt  eine  Filiale  in  Paris.  Ihr  Stuttgarter
  Etablissement  (einschliesslich  der  Parquettenfabrik)  arbeitet  mit
Idl  Arbeitern  und  2  Dampfmaschinen  von  85  Pferdekraft.
E.  Epple  in  Stuttgart  hatte  nur  mittelbar  ausgestellt,  als  Verfertiger ­
  einer  guten  Vitrine  der  Stuttgarter  Anilin-  und  Sodafabrik
Aus  Karlsruhe  hatten  Gebrüder  Himmelheber  und  Stöevesandt
  &  Kollmar  die  Ausstellung  wetteifernd  beschickt,  beide  nicht
mit  Paradestücken,  doch  mit  Arbeiten,  welche  ihre  technische  Tüchtigkeit ­
  und  ihr  kunstgewerbliches  Streben  veranschaulichten.  Die  Erstgenannten ­
  zeigten  einen  Bücherschrank,  Stoevesandt  &  Kollmar
ein  in  Nussholz  ausgeführtes  Buffet  von  origineller  Anlage:  über  dem
viertheihgen  Unterschrank  zunächst  ein  tiefer,  die  ganze  Breite  des
Möbels  einnehmender  Bort,  gestützt  durch  zwei  kurze  Pilaster;  über
letzteren,  auf  dem  Borte  selbst  fassend,  tragen  zwei  freistehende
schlanke  Säulen  die  vorderen  Ecken  einer  über  dem  Mittelfach  weit
vorragenden  Bedachung.  Hinter  jenen  Säulen  zieht  sich,  in  der  Mitte
durch  einen  Spiegel  unterbrochen,  ein  schmälerer  Bort  an  der  Rückwand ­
  hm.  Das  Schnitzwerk  ist  unter  dem  Einfluss  italienischer  Renaissance ­
  mit  Maass  gehandhabt.  Beide  Firmen  betreiben  die  Herstellung
von  Möbeln  fabrikmässig,  die  erstere  mit  91  Arbeitern  und  einer
Dampfmaschine  von  25  Pferdekraft,  die  zweite  mit  137  Arbeitern  und
einer  Dampfmaschine  von  10  Pferdekraft.  Eine  Specialität  der  Gerüder
  Himmelheber  ist  die  Herstellung  von  Nähmaschinentischchen
von  denen  allem  sie  im  Jahre  1871  für  45  000  fl.  producirten.
Von  allen  Deutschen  die  umfangreichste  Ausstellung  hatte  J.  M.
Volkert  aus  Heidelberg  veranstaltet,  wo  derselbe  seit  dem  Jahre  1866
mit  einer  kleinen  Arbeiterzahl  die  Fabrikation  von  Möbeln  mit  Holz-Intarsia
  und  Bouleeinlagen  betreibt,  nachdem  er  früher  lange  Jahre  in
Pariser  Werkstätten,  endlich  auch  selbstständig  in  der  französischen
Hauptstadt  dieser  Specialität  obgelegen  hatte.  Die  Arbeiten  Volkert’s
haben  wir  schon  einmal  im  Zusammenhang  der  Technik  erwähnt,  doch
bleibt  uns  Einiges  nachzutragen.  Volkert  hatte  drei  vollständige  Mobiliar ­
  aufgestellt.  Das  schwächste  war  das  eines  Schlafzimmers  im
Stil  Louis  XVI.,  ein  Bett,  eine  Commode,  zwei  Fauteuils,  vier  Stühle,
Toilettentisch,  zwei  Nachttischchen,  zusammen  zum  Preise  von  24  000
Rmk  Der  Stil  war  hier  ganz  antiquarisch  behandelt,  nur  mit  einem
sehr  bedenklichen  Fehlgriff;  die  Ornamente  nämlich,  die  bei  den  Ori-
            
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