MAK

Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

523 
I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 
schon erworben haben. Selbst aber die von ihr benöthigten Arbeiter 
von dem jugendlichen Alter an, in welchem mit dem Lernen begonnen 
werden muss, heranzubilden, dazu fehlen der Grossindustrie bei ihrer 
gegenwärtigen Organisation fast alle Voraussetzungen, wie denn viele 
Fabriken ersten Ranges, und zwar nicht bloss Mangels guten Willens, 
sondern in richtiger Selbsterkenntniss, von der Aufziehung von Lehr 
lingen grundsätzlich Abstand nehmen. Denn um ein brauchbarer Ar 
beiter in einem noch so eng begrenzten kunstgewerblichen oder höhere 
technische Geschicklichkeit voraussetzenden Gewerbe zu werden, genügt 
es nicht, innerhalb dieser Grenzen eine gewisse handliche Fertigkeit 
sich zu eigen zu machen, das Verständniss für den Zusammenhang der 
Theile muss geweckt, gewisse allgemeine Handwerksbegriffe und gewerb 
liche Handgriffe müssen in längerer Uebung gelernt, ein Ueberblick 
über das Ganze gewonnen werden. Diesen Grad von Bildung, die vom 
beschränkten Kreise aus doch zu einer universalen wird, kann der Lehr 
ling in der Fabrik, in der alles auf Specialisirung der Fähigkeiten, auf 
äusserste Theilung der Arbeit sich zuspitzt, sich nicht zu eigen machen. 
Wo anders kann er dies, als in der Werkstatt des Kleingewerbtreiben- 
den, wo unmittelbarer Verkehr mit dem in vielen Zweigen seines Faches 
bewanderten Meister, wo ein lehrhafter Wechsel der Arbeit Zusammen 
wirken, um dem Lehrling, sofern die annoch erforderliche theoreti 
sche Unterweisung in der Fortbildungs- und gewerblichen Fachschule 
hinzutritt, diejenige Bildung auf den Weg zu geben, deren er bedarf, 
um in den Werkstätten der Grossindustrie nicht als unbrauchbar von 
der Thür gewiesen oder besten Falles als ein Werkzeug, an dem nur 
Knochen und Muskeln geschätzt werden, in Reih’ und Glied gestellt 
zu werden ?' Es erhellt, dass das Kleingewerbe schon von dem Stand 
punkt vorwiegender Förderung der Grossindustrie aus ein unentbehr 
liches Mittelglied zwischen Fabrik und Einzelarbeiter bleiben wird. 
Wie viel wichtiger aber erscheint seine Aufrechterhaltung, sobald wir 
seiner Bedeutung im socialen und politischem Leben inne werden! 
Das Verhältniss, in welchem Kleingewerbe und Grossindustrie zu 
einander stehen, oder in welches sich zu stellen sie die Tendenz haben, 
ist für die verschiedenen Gewerbe ein sehr verschiedenes. Während 
z. B. in der Fabrikation von Bewegungs- und Arbeitsmaschinen und 
in einigen Zweigen der Textilindustrie das Hauptgewicht sich seit lange 
auf die Seite des Grossbetriebes geneigt hat, während z. B. in der 
Fabrikation von feinen Metallwaaren, von Gold- und Silberarbeiten 
das Verhältniss ein schwankendes ist, steht die Möbelindustrie noch 
durchgängig und zwar um so entschiedener auf Seite des Kleingewerbes, 
je mehr die kunstgewerbliche Richtung ausgeprägt ist. Specialitäten 
wie sie in den Fabriken von Bautischlerarbeiten, von Parquetten, von 
gebogenen Möbeln betrieben werden, in denen gleichzeitig der Maschi 
nenkraft eine bedeutende Rolle zufällt, eignen sich allerdings naturge-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.