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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe VIII. Holz-Industrie. 
mäss für den Grossbetrieb. Im Allgemeinen aber wird die Möbelindu 
strie in Deutschland als Kleingewerbe betrieben, denn was wollen selbst 
50 bis 100 Arbeiter, die wir in wenigen einzelnen Werkstätten er 
wähnt finden, gegenüber den Tausenden bedeuten, die in einzelnen 
Fabriken anderer Gewerbe beschäftigt werden. Einige Zahlen mögen 
dies veranschaulichen: 
In Frankfurt a. M. entfallen auf je Einen, der das Tischler- oder 
Stuhlmachergewerbe selbständig betreibt, 2.59 Arbeiter, in Bremen 
2.05, in Berlin, wo die Möbelindustrie einen so hervorragenden Platz 
einnimmt, 3.79, in Hamburg, wo das Tischlergewerbe doch auch in 
hoher Entwickelung und exportfähig dasteht, gar nur 1.74. 
Was aber die Möbelindustrie heute ist, ein Kleingewerbe, muss 
sie im Wesentlichen auch bleiben. Altsnahmen gibt es, sie werden 
sich noch vermehren, Aussichten auf einen gründlichen Umschwung 
liegen aber durchaus nicht in der Natur der Sache. Wird dieses fest 
gehalten, so wird man auch einsehen, dass alle Bestrebungen, welche 
dahin gehen, die Wurzeln des Kleingewerbes im Allgemeinen zu unter 
graben, auch nicht umhin können, die Leistungsfähigkeit der deutschen 
Möbelindustrie ernstlich zu schädigen. Haben jene socialdemokratischen 
Apostel, die dem Kleingewerbe seinen Untergang verkünden, weil 
dessen Bestehen der von ihnen geträumten Organisation der Arbeit 
einen Damm entgegensetzt, und die gleichzeitig, so weit ihre Kräfte 
reichen, daran arbeiten, ihre eigene Prophezeiung zu erfüllen, auch nur 
momentanen Erfolg, gelingt es nicht, der von ihnen gepredigten eine 
bessere, allgemeiner annehmbare Organisation gegenüber zu stellen, 
so wird ein in den Wohlstand der Nation tief einschneidender Rückgang 
der Productionskraft nicht ausbleiben, der allen Gewerbeschulen und 
Gewerbemuseen zum Trotz in erster Linie die uns hier vorzugsweise 
interessirende Möbelindustrie mit treffen wird. 
Die Möbelindustrie wird sich in Ermangelung der Aufzucht brauch 
barer jüngerer Arbeiter auf die Production des Nothwendigen einschrän 
ken. Die gute handwerkliche Ueherlieferung wird schwinden, weil 
Jeder, der als Kleingewerbtreibender die Bitterkeiten seines Standes 
durchgekostet hat, sich hüten wird, seine Söhne denselben Weg zu leiten, 
vielmehr streben, sie anderen Berufsarten, die scheinbar bequemeres 
und besseres Auskommen bieten, zuzuführen. Kein Arbeitgeber wird 
es noch als Pflicht erkennen, junge Leute zu tüchtigen Handwerkern 
heranzubilden, da er allzuoft erfahren musste, dass die begonnene 
Lehrarbeit auf halbem Wege unterbrochen wurde und der Lehrling, 
um ein halb Erlerntes in den Fabriken rascher zu verwerthen oder 
sonst seine Haut zu Markte zu tragen, ihn um den Ertrag der letzten 
Lehrjahre brachte, der den Aufwand in den ersten ersetzen sollte. Er 
wird nun seinerseits aus dem Kampfe auf arge Weise seinen Yortheil
	        
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