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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 527 
über ihren gewerblichen Gehilfen. Sie beruht in der grossen Selten 
heit, unter den zahlreichen deutschen Ausstellern der achten Gruppe 
einen Fabrikanten oder Handwerksmeister um eine Auszeichnung für 
einen besonders verdienten Werkführer oder Arbeiter bitten zu sehen. 
Geschah dies gar einmal, so zeigte es sich des Oefteren, dass der, für 
den die Mitarbeitermedaille erbeten wurde, ein naher Anverwandter des 
Bitters 1 ). Die Folgerung, welche hieraus zu ziehen nahe liegt, ist eine 
zweischneidige. Einmal könnte man versucht sein, ironisch zu sagen: 
das ist ja ein deutliches Symptom jener socialdemokratischen Feind 
schaft gegen individuell höhere Arbeitsleistungen Einzelner, die Arbeiter 
sollen ja nur mehr eine nach Köpfen zählende gleichentlohnte compacte 
Masse bilden, über welche emporzuragen Yerrath an der Gemeinschaft 
ist; da sieht man’s, ihre Theorie ist schon Praxis geworden. Ander 
seits aber wird man den Arbeitgeber fragen wollen, ob er denn be 
rechtigt sei, über den Verfall des persönlichen Selbstbewusstseins im 
Arbeiter gegenüber der maasslosen Anspannung seines Standesbewusst 
seins zu klagen, da er doch selbst so gar nichts thue, jenes erstere zu 
heben, indem er die persönliche Leistung seines Arbeiters auch als 
solche anerkenne, die etwas Besseres bedeute als ein waarengleiches 
Aequivalent für das baare Geld des Meisters. Wir unsererseits ver 
hehlen nicht, dass uns die zweite Auffassung als die richtige erscheint, 
um so mehr, als folgende weitere Erfahrung der Weltausstellung zu 
demselben Schlüsse führt. Wie selbst in denjenigen Ländern, wo in 
Ermangelung der Fragebogen die Aussteller nur direct an die Jury 
!) Von den 88 Mitarbeitermedaillen, welche die Jury der VIII. Gruppe 
zu verleihen Veranlassung hatte — abschlägige Beschlüsse kamen nicht vor — 
entfallen 41 auf Oesterreich - Ungarn, 12 auf Deutschland, 6 auf Russland, 
5 auf die Schweiz, je 4 auf Schweden und Norwegen, je 3 auf Frankreich, 
England und Dänemark, je 2 auf Italien und Portugal, je 1 auf Belgien, 
Brasilien und Monaco. Bei der sehr hohen Ziffer für Oesterreich-Ungarn ist 
aber zu erwägen, dass in derselben 17 Medaillen für Mitai’beiter von Jury 
mitgliedern zählen, die selbst ausser Preisbewerbung waren. Dagegen gab 
es, wahrscheinlich wenigstens, denn der Jury kamen sie nicht zu Gesichte, 
in Oesterreich - Ungarn keine Fragebogen, während in Deutschland von je 
dem Aussteller ein solcher sehr detaillirter mit den Fragen sub 16: „Wün 
schen Sie Werkführer oder Arbeiter zu bezeichnen, die um Ihr Geschäft, 
soweit dasselbe an der Ausstellung Theil nimmt, sich besonders verdient ge 
macht haben? Worin besteht deren Verdienst?“ ausgefüllt werden mussten. 
Von dieser Gelegenheit haben nur 11 Firmen Gebrauch gemacht; 5 dersel 
ben, Kork- und Korbwaarenfabriken, wünschten technische Mitarbeiter (fast 
sämmtlich Ingenieure) auszuzeichnen; 6 gehörten der Abtheilung für Möbel 
an, von diesen forderten drei Mitarbeitermedaillen für Männer, deren Ver 
wandtschaft mit dem Geschäftsinhaber auf der Hand lag; die anderen drei 
waren ein Bayer (Ch. Niederhöfer’s Söhne in Edenkoben), Heininger 
in Mainz (zweimal), und Pallenberg in Cöln, letztere drei Gesuche betrafen 
künstlerische Mitarbeiterschaft. J. B.
	        
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