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Full text : Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe  VIII.  Holz  -  Industrie.
mit  fremdem  Pfunde  wucherte,  freilich  zugleich  gerüstet  mit  naivster
Anmuth  und  höchst  entwickeltem  Schönheitsgefühl.  Das  neue  Leben,
welches  diese  Zauberinnen  damals  aus  den  vor  einem  Jahrtausend  schon
einmal  verknöcherten  Formen  weckten,  konnte  aber  nicht  lange  Stand
halten,  da  ihm  nicht  rechtzeitig  frisches  Blut  aus  der  Natur  selbst  zuströmte. ­
  Und  so,  nur  noch  weit  jäher,  wird  unsere  ornamentale  Kunst
sich  in  äffische  Manier  und  gedankenhafte  Spielerei  verirren,  wenn  wir
nicht  das  vor  vierhundert  Jahren  Versäumte  nachzuholen  uns  raschen
Muth  fassen.  Unsere  Zeit  sieht  und  erfasst  alle  Naturformen  mit  ganz
anderem  Auge,  als  irgend  eine  vergangene  Epoche;  weigert  sie  sich
doch,  selbst  schon  jetzt,  bei'dem  Wort  des  Dichters:  „Ins  Innere  der
Natur  dringt  kein  erschaffener  Geist“  zu  schwören.  Die  vergleichende
Morphologie  und  Anatomie,  die  Lehre  von  der  Entwickelung  der  Arten
haben  uns  einmal  um  das  alte  naive  Sehen  des  schönen  Scheins  der
Dinge  gebracht.  Da  hilft  es  uns  auf  die  Dauer  nicht  mehr,  um  diesen
schönen  Schein  noch  unbefangen  in  Holz  oder  Stein  bannen  zu  können,
uns  die  Augen  der  Quattrocentisten  zu  borgen.  Wir  müssen  eben  mit
unseren  eigenen  neuen  Mitteln  wirthschaften  lernen.  Und  erst  wenn
dieses  geschehen,  wird  man  unversehens,  ohne  dass  man  sein  Kommen
merkt,  den  „neuen  Stil“  besitzen  und  es^nicht  mehr  als  das  höchste
Lob  aussprechen,  dieses  oder  jenes  hätte  ebenso  gut  von  einem  Italiener
des  Quattrocento  gemacht  werden  können.  Man  verstehe  uns  nicht
dahin,  die  Kunst  solle  sich  nun  plötzlich  aus  den  Laboratorien,  den
zoologischen  und  botanischen  Gärten  inspiriren.  Wir  befürworten  nur,
dass  an  das  Auswendiglernen  der  schönen  und  in  ihrer  Art  mustergültigen ­
  alten  Formen  weit  entschiedener  als  bisher  in  den  kunstgewerblichen ­
  Bildungsanstalten  zu  dem  stilvollen  Entwickeln  neuer  Formen
aus  der  auf  neue  Art  verstandenen  Natur  angeleitet  werde,  dass  die
unermessliche  Bereicherung  des  volksthümlichen  Schatzes  von  Naturformen ­
  nicht  länger  ein  todtes  Capital  für  die  Kunst  und  die  Ornamentik ­
  bleibe.
Wir  erblicken,  wie  gesagt,  die  nothwendige  Ergänzung  des  Lehrmittelapparates ­
  der  Gewerbeschulen  in  dem  Material  der  Gewerbemuseen.
  Bei  der  Anlage  letzterer  kann  von  verschiedenen  Gesichtspunkten
ausgegangen  werden.  Einer  der  beliebtesten,  weil  er  auch  dem  Laien
ohne  Weiteres  einleuchtet  und  einen  momentanen  Einfluss  des  Museums
auf  das  Kunstgewerbe  mit  Händen  zu  greifen  gestattet,  ist  derjenige,
welcher  in  die  Sammlung  ausgeführter  Gegenstände  nur  solche  Stücke
aufgenommen  wissen  will,  welche  „mustergültig“  sind,  wobei  denn  dem
letzteren  Prädicat  mit  Vorliebe  der  Sinn  beigelegt  wird,  ein  mustergültiger ­
  Gegenstand  solle  nur  nachgemacht  zu  werden  brauchen,  um
gleich  wieder  etwas  für  unsere  Verhältnisse  Mustergültiges  auf  den
Markt  zu  bringen.  Diese  Auffassung  macht  nun  allerdings  die  Benutzung ­
  des  Gewerbemuseums  für  den  Handwerker  ausserordentlich
            
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