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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 
leicht, braucht er doch kaum selber zu denken, da dies ja von oben 
herab für ihn besorgt wird. Wir fürchten aber, dass damit, auch zu 
gegeben, es lasse sich ein Canon für Mustergültigkeit aufstellen, auf 
die Dauer nichts weiter erreicht wird als höchstens eine Läuterung 
des in den Künsten und Kunstgewerben herrschenden Eklekticismus^ 
aus dem ein neues Leben nie erspriessen kann, dessen Erbschaft über 
kurz oder lang immer die Manier antreten wird. Wir können daher 
in der Schaustellung mustergültiger Vorbilder in diesem Sinne die 
wesentliche Aufgabe der Gewerbemuseen, geschweige denn die aus 
schliessliche nicht erkennen. Es sollte ausserdem noch in zwei Rich 
tungen gearbeitet werden: einmal in der historischen, sodann, und zwar 
hauptsächlich, in der technisch-stilistischen. Die erstere Richtung, die 
aber wohl immer nur in den mit grösseren Mitteln ausgerüsteten An 
stalten zu voller Entfaltung gelangen kann, hätte von dem historisch 
Gegebenen auszugehen, ihr Ziel auf die Entwickelung des Verständnisses 
der historischen Stilarten, und zwar im Zusammenhang der verschieden 
sten Stoffe, Geräthe und Möbel zu richten. Sie kann ihren Gipfelpunkt 
in der historisch getreuen Einrichtung vollständiger Wohnräume der 
hauptsächlichen Stilperioden erreichen. Die andere Richtung, die uns 
die wesentliche erscheint, die technisch-stilistische,' geht von den durch 
die natürlichen Stoffe und deren Bearbeitungsweisen gegebenen Ein 
heiten aus. In jeder der auf dieser Grundlage für die Sammlung ge 
wonnenen Gruppen sollte man sich nicht auf die Schaustellung ausge 
führter Arbeiten beschränken, sondern thunlichst in unmittelbarem 
Anschluss an diese die Rohstoffe, die bei deren Bearbeitung dienlichen 
Werkzeuge, die Verarbeitung in den Hauptstufen ihrer Entwickelung 
zur Anschauung bringen. Dabei müssten an Ort und Stelle selbst 
angebrachte prägnante Erläuterungen das Wesentliche der Technik so 
fort unter Andeutung ihres formbestimmenden Einflusses verständlich 
machen, das annoch fehlende durch die technische Handbibliothek er 
gänzt werden. Nur auf diesem Wege kann es unserer Erfahrung nach 
gelingen, das abhanden gekommene Verständnis für den Stil in den 
technischen Künsten wieder in Fleisch und Blut des deutschen Hand 
werkers übergehen zu lasseq. Zugleich wird das Gewerbemuseum auf 
diese Weise am besten zur Aufnahme verloren gegangener, durch die 
Alterthumswissenschaft beleuchteter, oder bei den Culturvölkern des 
Orients aufgefundener, oder in den Werkstätten der grossen Industne- 
centren neu entdeckter technischer Verfahren hinwirken. 
Endlich aber wird durch Alles dieses ein zu selbsttätigem Urtkeil 
anregender Einfluss auf das kaufende Publicum geübt werden. Das 
selbe wird vor der Verknöcherung in gotischem oder Renaissance- 
Eklekticismus bewahrt werden. Ein lebendiger Zusammenhang zwischen ^ 
den Produoenten und Consumenten wird allgemach sich entwickeln, 
ohne den aus dem Kunsthandwerk doch nichts wird. Denn so lange
	        
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