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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 
ausgehen muss, und verleitet dazu, sich ein Möhel als ein aus einem 
Holzklotz zurechtgeschnittenes Fabrikat vorzustellen, bei dem es einerlei, 
wo Querholz, wo Langholz verarbeitet wird. Wir haben in diesem und 
anderen speciellen Fällen wiederholt eine gegentheilige Meinung be 
gründet und beziehen uns hier im Allgemeinen auf Semper’s treffende 
Darlegung, die Schreinerei solle die scheinbaren Mängel ihres Stoffes 
nicht im Widerspruch mit der Natur verhüllen , nichts der Eigenart 
des Holzes Widerstreitendes affectiren. Solche Erfahrungen zeigen die 
Nothwendigkeit, dass auch die technischen Handbücher die Möbel 
tischler, anstatt sie gewohnheitsmässig irre zu führen, dazu anleiteten, 
die Unzulänglichkeiten ihres Stoffes als die ergiebigste Quelle immer 
neuer formaler Hilfsmittel zu erkennen, die den Holzstil erst zu dem 
machen, was ihn eigentlichst kennzeichnet. In diesem Sinne trifft 
H Grothe’s Bemerkung über die kunstgewerbliche Vielschreiberei der 
Deutschen in dessen pikanter Kritik einiger kunstgewerblichen Welt 
ausstellungsschriften nicht ins Schwarze, es wird vielmehr in Deutsch 
land viel zu wenig, ja eigentlich gar nichts geschrieben, was unmittel 
bar ins handwerkliche Leben eingreifen könnte. Bruno Bücher s 
„Geschichte der technischen Künste“ versucht planmässig und nach 
den erschienenen Heften zu urtheilen mit gediegenster Sachkunde, 
feinem Kunstsinn und in anziehender Darstellung eine Lücke jener 
Art in der deutschen Literatur auszufüllen, doch wendet auch dieses 
schöne Werk seiner Anlage und Ausstattung nach sich vorwiegend an 
denselben gebildeten und kunstbefreundeten Leserkreis, an dessen 
Thüren J. Falke als Erster mit seiner „Geschichte des modernen Ge 
schmackes“ geklopft hat. Die Männer der Werkstatt harren auch in 
dieser Hinsicht noch der Erlösung. 
Aegypten. Den Uebergang von den Möbeln des Abendlandes 
zu den urwüchsigen Erzeugnissen orientalischer Cultur sah man in der 
reichen und interessanten Ausstellung von Parvis in Kairo. In dem 
Schemata seiner Möbel knüpft Parvis mit völliger Unbefangenheit an 
die Formen, welche Ueherlieferung und gesellschaftliche Sitte für die 
Europäer festgestellt haben. Der Divan wird ihm zum Sopha, der in 
ein Wandgetäfel eingelassene Schrank zum freistehenden Möbel. In 
den Zierformen aber macht er mit französisch geschultem Geschmack 
ausgiebige Anleihen bei der Ornamentik der arabischen Kunst. So kom 
men denn im Ganzen Stücke zu Tage, bei denen eine geistige Verwandt 
schaft mit gewissen gothisirenden Möbeln unverkennbar, welche, wie 
beispielsweise die von Wölb ran dt in Hamburg ausgestellten, dem 
modern construirten Schema Zierformen des Mittelalters als äusseren 
Schmuck umhängen. Dem Aegypter kamen bei seinen Versuchen aber 
zwei schöne technische Motive der arabischen Holzbearbeitung sehr zu 
Statten. Das eine ist jenes zierliche Gitterwerk, welches aus mannigfach
	        
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