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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 
Marqueteriearbeiten walteten vor. Zu den schönsten Arbeiten 
dieser Art gehörten diejenigen einer angeblichen „kaiserlichen • • 
Fabrik in Constantinopel“, von der der Katalog nichts meldete, 
auch sonst Näheres nicht zu erkunden war. Es waren dies eine Fassette, 
einige Schachbretter, ein Trictracbrett und eine Dolchscheide, sämmt- 
lich mit gut gezeichneten und trefflich in die einzelnen Felder gepass 
ten Bandverschlingungen aus verschiedenfarbiger, zum Theil lebhaft 
bunter Perlmutter, welche in einen Grund von Thujaholz und mit 
Zinnober grundirtem Schildkrot sauber eingelegt waren. Diese selbe 
„kaiserliche Fabrik“ hatte dann noch eine sehr schöne Thür für einen 
Salon des türkischen Hauses geliefert, eine reichere Entfaltung des 
unter Aegypten beschriebenen Getäfels. 
Die in demselben Salon prunkende Garnitur von Sitzmöbeln eines 
Mahmud Hanna aus Damaskus zeigte abendländische Formen, 
denen die türkische Perlmutterintarsia, mit der sie dicht überzogen 
waren, durchaus nicht auf den Leib passen wollte. Diese Intarsia, 
welche einfache Flächenmuster — Verschlingungen gebrochener Bänder, 
sternförmige und andere geometrische Muster, stilisirte Blumen — aus 
grösseren glatten Einzelstücken weisser Perlmutter ohne Gravirung 
oder Schattirung auf braunem oder schwarzem Holzgrunde, bisweilen 
mit Untermischung von Elfenbein-Linien und Plättchen zusammensetzt, 
fordert eben grössere, wenig gebrochene, glatte, ungeschweifte Flächen, 
wie sie höchstens einige unserer Schrankmöbel, keineswegs unsere Sitz- \ 
möbel darbieten, wogegen die niedrigen Tischchen, deren Platte auf 
einem aus senkrechten, unten hufeisenbogig ausgesägten Brettern ge 
fügten prismatischen Gestell ruht, die grossen im Orient heutigen T ages 
noch üblichen Truhen nach Art der abendländisch mittelalterlichen, 
die aus zwei gekreuzten Brettern gebildeten Lesepulte und andere im 
Orient gebräuchliche Möbelformen jene Technik begünstigen und her 
ausfordern. In dieser Art hatte Mehmed Effendi in Constanti 
nopel eine hübsche Truhe von Feigenholz ausgestellt, deren glatte 
Vorderseite mit grossen Blumensträussen unter architektonischen, doch 
völlig in der Fläche stilisirten Umrahmungen in weisser Perlmutter 
ausgelegt war. Auch ein runder Tisch mit Einlagen aus Perlmutter 
und Schildkrot, von Aristaki in Constantinopel und einige Mö 
bel von Mahmud Hanna Effendi in Damaskus (ob dieser mit 
dem oben erwähnten identisch, muss dahin gestellt bleiben) verdienten 
Anerkennung. Wie weit unsere Cultur den Orient schon beleckt hat, 
bewies ein Tisch des Hadji Hassan Effendi in Constantinopel, 
dessen Platte mit Elfenbeineinlagen in blauem und rothem Massa- 
fournier bedeckt war. 
Neben diesen Intarsien sind noch einige von Holz in Holz erwäh- , 
nenswerth, in erster Reihe die hübschen Tabourets aus Olivenholz mit 
Buxbaumeinlagen von Teopile in Constantinopel.
	        
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