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Full text : Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe  VIII.  Holz  -  Industrie.
eine  beträchtliche  Anzahl  der  ausgestellten  Stücke,  von  denen  manche
Spuren  längeren  Gebrauches  trugen,  älteren  Ursprungs  waren,  steht
jedoch  für  uns  fest.  Die  Preise  waren  aulfallend  niedrig  gestellt:  für
die  sehr  grosse  Bettlade  wurden  nur  4000  Frcs.  gefordert,  vielfächerige
Kastenmöbel  von  der  Grösse  einer  mittleren  Commode  waren  zu  500
bis  900  fl.  käuflich.  Die  kleinen  ausgesucht  feinen  Stücke,  eben  die
älteren,  verhältnissmässig  viel  theurer.
Den  unerfreulichsten  Anblick  von  allen  Abtheilungen  des  Orients
bot  diejenige  des  chinesischen  Reiches,  Alle  Ehren  der  fleissigen
Arbeit  des  österreichischen  Gen  eralconsuls  Gustav  von  Overbek,  dem
das  Zustandekommen  des  grössten  Theiles  dieser  Abtheilung  wesentlich
zu  danken  ist;  bessere  Sachen  aber  nach  Wien  zu  senden,  als  in  China
heutigen  Tages  gearbeitet  werden,  wäre  ihm  ein  Ding  der  Unmöglichkeit ­
  gewesen.  Die  Söhne  des  Reiches  der  Mitte  sind  kluge  Leute,
vor  allem  gute  Rechner;  zu  ihrem  Gebrauch  und  Vergnügen  werden
sie  jene  missgestaltene  Möbel,  an  welchen  chinesische  Ornamentik  mit
europäischen  Formen  sich  sinnlos  mischt,  wohl  schwerlich  erzeugen.
Es  muss  also  schon  Europäer  geben,  die  dergleichen  Dinge  gut  bezahl
 en  und  so  lange  das  der  Fall,  können  wir  Abendländer  nur  uns
selbst  der  Vaterschaft  jener  Missgeburten  anklagen.  Das  Aergste  in
dieser  Richtung  waren  die  von  Yoaching  in  Canton  verfertigten
überreich  aus  schwarzem,  schwerem  Holze  geschnitzten  Möbel,  ein
Sopha,  12  Stühle,  Tische,  Schemel  u.  s.  w.  Weit  hübscher,  wenn  auch
demselben  Boden  entwachsen,  waren  die  zahlreichen  Ningpo-Möbel,
davon'die  meisten  aus  der  Werkstatt  von  Young-sing  in  Ningpo.
Alles  was  ein  Europäer  sich  nur  an  Möbeln  wünschen  mag:  das  grosse
Himmelbett,  der  Waschtisch,  der  Toilettetisch,  die  Kleiderschränke,
Kleiderträger,  Bücherbörter,  Schreibpulte  u.  s.  w.,  Alles  war  ins  Chinesische ­
  übersetzt,  hier  wenigstens  in  angenehmer  farbiger  Haltung.
Den  Grundton  bildet  ein  kräftiges  Rothbraun,  angeblich  Kampferholz,
in  welches  erhabene  Ornamente  und  Chinoiserien  aus  lichtgelbem  Buxbaum,
  Ebenholz  und  Elfenbein  eingelegt  sind.  Hier  und  da,  z.  B.  am
Baldachin  des  Bettes,  tritt  kräftiges  Schnitzwerk,  vielerlei  Drachenungethüme,
  hinzu.  Die  Stoffe  sind  insofern  nicht  ohne  Geschmack  zusammengesetzt, ­
  als  keiner  derselben  irgend  welcher  Darstellung  zu  lieb
in  auffallend  grossen  Flächen  vorkommt,  als  bei  den  Wiederholungen
ähnlicher  Darstellungen  für  analoge  Theile  auch  derselbe  Stoff  verwendet ­
  ist.  Diese  Einlagen  überkleiden  sämmtliche  Flächen  unterschiedslos ­
  und  ebenmässig;  sie  werfen,  aus  einiger  Entfernung  gesehen,
einen  gefälligen  Schimmer  über  die  ganzen  Möbel.  In  der  Nähe  verliert ­
  die  Arbeit  desto  mehr,  je  entschiedener  Europäisches  hineinklingt.
Die  Ausführung  Hess  mehr  zu  wünschen,  als  sonst  bei  ostasiatischen  Arbeiten ­
  der  Fall,  und  da  das  Grundholz  in  viel  zu  grossen  Platten  ver-
            
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