Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

543

I.  Die  Erzeugnisse  der  Möbeltischlerei  etc.
Die  Etageren  Yamamoto  Yaszbei’s  bestanden  aus  gelblich  braunem, ­
  mit  feinem,  durchsichtigem  Lack  überzogenen  Holze,  in  welches
auf  allen  grösseren  Flächen  geometrische  Muster  aus  naturfarbenen
Hölzern  eingelegt  waren.  Ein  bräunlicher  Lack  überzieht  auch  diese
Einlagen  und  stimmt  dieselben  auf’s  Beste  zu  dem  Ton  des  Ganzen.
Die  Vertheilung  der  Einlagen  über  die  Fläche  ist  eine  willkürliche,
aller  Symmetrie  und  gleichmässigen  Raumaustheilung  zuwiderlaufende.
Die  Einlagen  selbst,  von  denen  kleine  Proben  ausgestellt  waren,  enthalten ­
  aber  vortreffliche  Muster  (davon  manche  für  unsere  Parquette
dienen  könnten)  und  sind  mit  erstaunlicher  Präcision  ausgeführt.  Ob  sie
nach  Art  der  Stiftmosaiken  aus  Bombay  (m.  s.  S.  538)  hergestellt  werden, ­
  konnten  wir  nicht  erfahren,  doch  hatte  dies  den  Anschein.
Yon  feinerer  Art  waren  die  Einlagen  einiger  kleinen  Geräthe,  die
unter  dem  Namen  des  Nishimura  Savitschiro  in  Tokio  ausgestellt
waren.  Darunter  besonders  hübsch  ein  hölzernes  Schreibzeug,  der
Form  nach  schon  europäisch  beeinflusst,  mit  Einlagen,  welche  Bambusäste ­
  und  fliegende  Fledermäuse  darstellen;  die  Zeichnung  sticht  nur
wenig  vom  Grunde  ab,  ist  aber  sehr  gut  wiedergegeben,  nicht  durch
eingelegtes  Fournier,  sondern  durch  Ausfüllung  eingeschnittener  Vertiefungen ­
  mit  andersfarbenen  Holzstückchen.
Diese  von  der  in  Europa  vorherrschenden  Art  unterschiedliche
Intarsia-Technik  scheint  überhaupt  die  im  östlichen  Asien  ausschliesslich
gepflegte  zu  sein.  Wir  sind  ihr  bereits  in  Cochinchina  und  an  mehreren ­
  Gegenständen  der  chinesischen  Abtheilung  begegnet.  In  Japan
fanden  wir  sie  noch  in  grösserem  Maassstabe  an  einem  für  die  Dimensionen ­
  der  dortigen  Möbel  sehr  grossen  hölzernen  Setzschirm,  dessen
Vorderseite  geschnitzt,  dessen  Rückseite  mit  einer  roth  durch  Wolken
scheinenden  grossen  Sonne  und  fliegenden  kleinen  Vögeln  in  Lebensgrösse, ­
  diese  aus  Perlmutter  eingelegt  und  geschnitzt,  verziert  war.
Ihren  höchsten  Triumph  aber  feierte  sie  an  gewissen  flachen  Elfenbeinbüchsen ­
  von  der  Form  europäischer  Visitenkartenetuis,  doch  im  Innern
mit  zwei  Fächern.  Diese  kleinen  Wunderwerke  der  Reliefintarsia,
zwei  oder  drei  an  der  Zahl,  übertrafen  an  Sauberkeit  der  Technik  und
farbigem  Schmelz  Alles,  was  irgend  sonst  in  Wien  in  dieser  Art  zu
sehen  war.  Aus  Perlmutterstückchen  in  allen  Farben,  aus  Schildpatt,
gefärbtem  Elfenbein,  Korallen  und  anderen  harten,  eine  glänzende
Politur  annehmenden  Stoffen  war  in  das  Elfenbein  eine  Darstellung
eingelegt,  bald  von  hohem  Bambusgebüsch,  zwischen  dem  Reiher  stolziren,
  bald  eines  Baumes,  an  dessen  Aesten  ein  mit  den  schönsten
Blumen  gefüllter  feingeflochtener  Korb  mit  seidenen  Schnüren  aufgehängt ­
  ist.  Jedes  noch  so  kleine  eingelegte  Stückchen  war  mit  mikroskopischer ­
  Feinheit  geschnitzt,  an  den  Blumen  des  Chrysanthemum  erkennt ­
  man  jedes  einzelne  der  röhrigen  Blättchen,  in  anderen  Blüthen
kann  man  Stempel  und  Staubfäden  zählen.  Der  höchste  Reiz  aber
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.