I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 545
Abschnitte vom Bambusrohr, die in Form eines cylindrischen Behälters
auf einem kleinen Untersatz angebracht und ringsum mit flachem
Schnitzwerk verziert waren; ganz andere Arbeiten als jene roh ge
schnitzten Bambuscylinder, mit denen uns China überschwemmt. Die
Dai Stellungen auf ihnen — eine durch hohen Klee züngelnde Schlange,
ein Falke, der vom Cedernast auf seine Beute stösst, und Aehnliches
mehr — sind mit erstaunlicher Schärfe aus dem kieselharten Stoffe ge
schnitten und von jener lebensvollen Wahrheit der japanischen Na
turbilder. Endlich vielerlei kleineres Geräth bis hinab zu den wohl
feilen Theeschaufelchen, die bei aller Unscheinbarkeit wieder anziehende
Beispiele von der scharfen Naturbeobachtung jenes merkwürdigen
Volkes bieten. Mit wenigen eingeritzten, roth ausgeriebenen Strichen
vergegenwärtigt uns der Japaner die wallenden Halme des Bambus,
die langgestreckten Halses in der Kette fliegenden Enten, die unter
den schwanken Zweigen der Hängeweide dicht über dem Wasserspie
gel flatternde Fledermaus — mit den allergeringfügigsten Mitteln
weiss er uns so an die Landschaft zu erinnern, in welcher das Kohr
gewachsen ist, das zu jenem Alltagsgeräth den Stoff lieferte.
Wie wunderbar die Japaner den Bambus zu bearbeiten verstehen,
zeigte auch ein Miniaturcabinet, 90 cm hoch, 100 cm breit und 60 cm tief,
mit 26 kleinen Schubladen, deren jede aus einem einzigen Stücke
Bambus geschnitten war und mit fast mathematischer Genauigkeit ihr
Fach ausfüllte. Die Fächerwände waren aus Bambusplättchen gebildet,
die vorn den getüpfelten Hirnschnitt zeigten; die Vorderfläche der
Schubladen war mit Plättchen von Elfenbein und Palisander belegt,
und das Aeussere des Kästchens mit schwarz gefleckter Bambusrinde
fournirt. Als Verfertiger dieses niedlichen Möbels, das vielleicht für
eine Sammlung japanischer Goldmünzen, die annähernd die längliche
Form der Schubladen haben, dienen sollte, wurde Murasse Kisza-
buro in Tokio genannt.
Schliesslich sei noch einer von dem Departement von Tottori
ausgestellten Specialität gedacht: zierlicher kleiner Tischchen, dienlich
als Untersätze für Nippes, fest göfügt aus parallelen oder in stumpfer
Gehrung zusammenstossenden, gleichmässig dicken und sehr schweren
Stäbchen, deren Farbe derjenigen geschälter Weidenruthen gleicht,
aber unveränderlich ist. Anderes als dass diese Stäbchen Abschnitte
von bis zu einem Meter langen gertenartigen Polypenstielen seien,
war in Wien nicht zu erfahren.
Wiener Weltausstellung. III. 2.
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