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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 547 
von Schweizer Schnitzlereien errichtet sind. In wie weit der in dem 
letzten Jahrzehent durch den Einfluss der Capitalwirthschaft und durch 
die Aufmunterung grösserer Unternehmer der Schnitzerei gegebene 
Impuls diese Industrie innerlich gehoben und insbesondere in Ver 
bindung mit der Möbeltischlerei gebracht hat, liess sich auf der Wiener 
Weltausstellung nicht beurtheilen, da gerade die bedeutendsten Unter 
nehmer, so die Gebrüder Wirth in Brienz, welche allein mehrere Hun 
dert Arbeiter beschäftigen, der Ausstellung fern geblieben waren. Im 
Uebrigen vertraten etwa 40 Aussteller diesen Industriezweig in hin 
reichendem Umfange in allen seinen Specialitäten. 
Der Werth der Jahresproduetion der kleineren Fabrikanten des 
Oberlandes schwankte in letzter Zeit nach eigenen Angaben zwischen 
8000 und 80,000 Francs. Sie beschäftigen in geschlossenen Werk 
stätten je 10 bis 20 Arbeiter, die grösseren überdies eine beträchtliche 
Anzahl, bis zu 80, Arbeiter in deren Privatwohnungen. Die Frauen 
arbeit spielt dabei eine ganz untergeordnete Rolle. 
Der Gesa'mmtcharakter der Schnitzlereien des Berner Oberlandes 
hatte sich seit der Weltausstellung des Jahres 1867 nicht wesentlich 
verändert. Derselbe Mangel an stilvoller Auffassung der Naturformen 
dieselbe Dürftigkeit, Trockenheit und Schwerfälligkeit des Ornamentes, 
wo einmal solches versucht wird; dieselbe Unbefangenheit in der Ver 
wendung der seit Jahren typischen Motive aus dem Hochlandsleben zu 
Allem und Jedem, was sich irgendwie aus Holz darstellen lässt; diesel 
ben Felsen und Gletscher, Sennhütten und Bauerhäuser, dieselben Gem 
sen, Hirsche und Rinder, dieselben Lämmergeier, Birk- und Auerhühner, 
dieselben Bernhardinerhunde, Jäger und Senner, sie alle treten in der 
gewohnten Weise bald mit den Ansprüchen selbstständiger Kunstwerke 
auf, bald dem Zifferblatt einer Uhr, einem Blumenglase, einem Gold 
fischbecken, einem Dintenfässchen bescheidenen Raum gewährend oder 
ein Spielwerk bergend. Daneben einige Rähmchen, Kästchen, Dosen, 
Chatullen zur Aufbewahrung von Schmucksachen, andere für Cigarren 
oder Li queurflaschen und Gläschen, ferner Salatbestecke, Fächer, Lese 
zeichen, Serviettenringe und ähnliche Sächelchen. Leistungen von 
individueller Bedeutung traten aus dieser altbekannten Menge nicht 
hervor. Das Mehr oder Minder des Verdienstes bemass sich mehr nach 
der manuellen Geschicklichkeit und Sauberkeit, mit welchem der Ein 
zelne dem Allen gemeinsamen Ziele gerecht geworden, und nach der 
industriellen Bedeutung, zu der er seine Werkstatt emporgehoben hatte, 
als nach den allgemeinen Grundsätzen des Geschmackes und des Stiles. 
Die von jenen Gesichtspunkten aus verdienstvollsten Leistungen waren 
diejenigen von Jacob Balmer und J. F. Klein in Meyringen, von J. 
Flück am Fluhberg, Jacob Jäger & Comp., Beide in Brienz, von Zum 
Brunn, Schmöker & Co. in Riggenberg und von Christ. Ritschard 
in lnterlaken. Die beiden erstgenannten hatten unter Anderem hölzerne
	        
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