550
Gruppe VIII. Holz - Industrie.
bindung mit den ornamentalen -Spielereien des Rollwerkgenres der
deutschen, wie solche schon in ziemlich zahlreichen Stücken unter
den Werderfelser Arbeiten zu sehen waren.
Hinter den beiden genannten Schulen zurückgeblieben ist die
dritte der oberbayerischen Schnitzerschulen, die im Jahre 1865 zuRoding
gegründete, deren Sehüierzahl im Jahre 1871 sich auch erst auf 9 belief.
Der Oberammergau , woselbst die Holzschnitzlerei schon seit
einigen Jahrzehnten geübt wird, war nicht in genügendem Umfang
vertreten. Eine Collectivausstellung wäre wohl am Platze gewesen.
Die von Georg Lang sei. Erben ausgestellten Gegenstände gehörten
zu den besten ihrer Art, neben dem fröhlichen Volkshumor tritt in
ihnen auch eine Richtung auf religiöse Darstellungen — die gleichfalls
den nüchternen Schweizern mangelt — zu Tage, in der man die ernsten
Passionsspieler wiedererkennt.
Von den Reichenhallern hatte Johann Duschl Muster seiner Spe-
cialität, Thiergruppen, kletternde Steinböcke u. dergl. ausgestellt, ganz
im Genre der schweizerischen. Niedlich waren desselben gedrechselte
dünnwandige Büchsen inEiform mit regelmässig durchbrochenen Mustern.
Den Einfluss hauptstädtischer Kunst zeigte eine von Friedr.
Bruckmann’s Verlag in München ausgestellte Reliefcopie von „Wer-
ther’s Lotte“ nach dem populären Bilde W. v. Kaulbach’s. Da der
Name eines Schnitzers nicht angegeben war, müssen wir dahin gestellt
sein lassen, ob hier eine Arbeit eines Berchtesgadeners oder etwa eine
Innsbruckers vorlag.
Die pecuniären Erfolge der Berner Oberländer und der Berchtesgade
ner haben schon lange dahin geführt, dass deren Erzeugnisse in vielen
Städten Oesterreichs und Deutschlands nachgeahmt werden. Was
die Collectivausstellung von Holzdrechslermeistern Berlins in
dieser Richtung geleistet hatte, war höchst unbedeutend. Fritz Jacobi
in Jauer (Preuss. Schlesien) hatte wenigstens den Erfolg für sich,
daselbst einen neuen Erwerbszweig geschaffen zu haben. In seiner
1859 zu Jauer errichteten Fabrik waren 1872 über 250 Arbeiter mit
der Herstellung von Holzgalanteriewaaren beschäftigt; die Erzeugnisse
gehen zur Hälfte ins Ausland. Der Stil fast aller dieser und verwand
ter naturalistischer Arbeiten Anderer ist aber ein höchst verwerflicher,
oder besser gesagt gar keiner; es gebricht ihnen obendrein an dem
sachlichen Reiz, welcher den süddeutschen und schweizerischen Arbeiten
ob ihrer Bezüge zur Alpennatur immer einige Freunde erhalten wird.
Auch wird an ihnen zu viel mit brauner und schwarzer Beize herum
geschmiert („antik“ nennt man das!), wodurch sie wieder hinter dem
oberflächlich freundlichen Eindruck Zurückbleiben, den jene originalen
Arbeiten durch ihr schönes (freilich auch noch viel zu oft verschmiertes)
Material in der Regel erzielen. Diese wenig zukunftsvolle Richtung