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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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II. Die Holzschnitzarbeiten. 
herrscht leider auch noch bei den Fürther Holzschnitzereien vor. Eine 
vereinzelte sehr verdienstvolle Ausnahme sahen wir jedoch in einigen 
der von Chr. Weise & Co. in Karlsruhe ausgestellten geschnitzten 
Albuindeckel und Kästchen. Bei den besseren Stücken, bei denen auch 
das figürliche Relief gepflegt wird, lässt man hier das Birnbaumholz und 
andere härtere Schnitzhölzer auch frei gelten. Weise betreibt sein Ge 
schäft mit einigen 60 Arbeitern, die jedoch meist in ihrer eigenen 
Werkstatt schnitzen. Ein Drittel seiner Production geht ins Ausland. 
Ein sichtbarer Erfolg der vor etlichen Jahren durch die Salzburger 
Handelskammer angeregten Hebung der Holzschnitzindustrie in den 
Berchtesgaden benachbarten Hochgebirgsthälern Oesterreichs konnte 
in Wien noch nicht erwartet werden, denn erst im Jahre 1869 bewil 
ligte die österreichische Regierung einen ersten Beitrag von 2500 fl. 
für die Gründung einer nach dem Muster der Berchtesgadener Schule 
einzurichtenden Schule für Holzschnitzerei in Hallein. Die bis dahin 
in Salzburg viel verkauften Holzschnitzwerke mussten aus dem Berch 
tesgadener District bezogen werden. Auch die Wiederbelebung der 
schon vor geraumer Zeit einmal in dem schönen Grödnerthal mit bestem 
Gewinn für seine armen Bewohner betriebenen Holzschnitzerkunst ist 
durch das Oesterreichische Museum für Kunst und Industrie neuerdings 
angeregt worden. Der Verfall war im Jahre 1869 ein nahezu voll 
ständiger, denn die feineren der zu St. Ulrich im Grödener Thal den 
Reisenden verkauften Schnitzereien wurden nicht dort, sondern in Berch 
tesgaden angefertigt. Dennoch ist die Ueberlieferung noch nicht ganz 
gebrochen, eine Schnitzerschule ist im Entstehen begriffen, und bald 
wird auch von dort aus den bayerischen Holzschnitzern lebhafte Con- 
currenz auf dem Weltmarkt erwachsen. Ein zwingender Grund mehr 
für dieselben, sich vor der Erstarrung im Herkömmlichen zu hüten, 
welcher dergleichen Industrien so leicht verfallen. 
Von anderer Bedeutung als die bisher erwähnten sind die von 
Sebastian Steiner in Innsbruck ausgestellten geschnitzten Tableaux: 
Scenen des tyroierischen Volkslebens, zu Theil in Art Defregger’scher 
Bilder, Einiges angeblich nach eigener Zeichnung („Nach einem Scheiben 
schiessen im Pfisterthale“), zum Theil historische Compositionen, wenn 
wir nicht irren, nach den Reliefs am Grabe Kaiser Maximilian s zu 
Innsbruck. So lebensvoll die Figuren, vornehmlich die aus eigener 
Anschauung geschöpften volksthümlichen, auch in Holz wiedergegeben 
sind, hebt ihre bildmässige Behandlung diese Darstellungen doch in 
eine Region, wo sie halbwegs verloren sind, um so mehr als sie ihrer 
zarten Behandlung wegen kaum anders als unter Glas und Rahmen 
aufgestellt werden können. So aber als Kunstwerken an der Wand geht 
ihnen jede decorative Wirkung ab. Sollte es nicht möglich sein, dieses 
Genrg in eine andere Richtung zu leiten, etwa im Sinne der bekannten.
	        
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