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MAK

Full text : Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

S81

I.  Die  Erzeugnisse  der  Möbeltischlerei  etc.
Abendlandes  die  Nachfrage  nach  solchen  originalen  Werken,  dass  Alles,
was  durch  die  Sorgfalt  älterer  Sammler,  durch  Ueberlieferung  alten
Familienbesitzes  oder  durch  den  glücklichen  Zufall  des  Vergessenwerdens ­
  an  vergessenem  Orte  vor  der  Zerstörung  durch  den  Zahn  der
Zeit  oder  den  gefährlicheren  Modewechsel  bis  auf  unsere  Tage  gerettet
worden  und  allgemach  auf  den  Markt  gebracht  wird,  das  Bedürfniss
nicht  befriedigen  kann.  In  Folge  davon  steigen  die  Werthe  zu  Vielen
unerschwinglichen  Affectionspreisen,  so  dass  es  ein  lohnendes  Geschäft
wird,  die  alten  Dinge  getreulich  nachzuahmen  und  diese  Nachahmungen ­
  auf  allerlei  Schleichwegen  als  Originale  in  den  Handel  und
an  den  Mann  zu  bringen.  So  ärgerlich  es  für  den  einzelnen  Liebhaber ­
  sein  mag,  bei  seinen  Einkäufen  über  die  Wahrheit  des  Sprichwortes ­
  „Augen  für  Geld“  bittere  Erfahrungen  zu  sammeln,  im  Grunde
haben  doch  jene  Fälscherwerkstätten  einen  segensreichen  Zusammenhang ­
  mit  dem  Aufblühen  des  Kunsthandwerks;  mehr  denn  eine  von
ihnen,  die  im  Dienste  trügerischer  Händler  heimlich  begann,  hat  sich
unversehens  zu  selbstständiger  Arbeit  am  offenen  Tage  aufgeschwungen. ­
  Eine  ganze  Reihe  von  neuen  Industriezweigen,  vornehmlich  gewisse ­
  Arten  der  Glasmacherkunst,  des  Emaillirens,  der  Kunsttöpferei,
sind  auf  eben  diesem  Wege  aus  Jahrhunderte  langer  Vergessenheit  urplötzlich ­
  aufgetäucht.  Die  Kunst  des  Kristallschliffes  ist  vor  Kurzem
in  eben  der  Weise  neubelebt  worden,  wie  vor  langer  Zeit  einmal  die
Gemmenschneidekunst  durch  die  Fälschung  altrömischer  Gemmen.
Noch  entzieht  sich  manche  der  in  ähnlicher  Weise  im  heutigen  Kunstgewerbe ­
  wirksamen  Triebfedern  aus  naheliegenden  Gründen  unserer
Beobachtung.  Die  interessante  Aufgabe,  alle  diese  Einflüsse  in  ihrer
Bedeutung  für  den  schon  errungenen  und  noch  erhofften  Aufschwung
der  Kunstgewerbe  in  der  zweiten  Hälfte  des  neunzehnten  Jahrhunderts
darzulegen,  muss  einer  späteren  Zeit  Vorbehalten  bleiben.  Es  fragt
sich  für  uns  gegenwärtig  nur,  welche  Einflüsse  dieser  Art  in  der  Holzindustrie ­
  schon  heute  sichtbar  wirken.  Zugleich  wird  hier  derjenigen
Arbeiten  zu  gedenken  sein,  welche,  wenngleich  keineswegs  auf  Täuschung ­
  berechnet,  doch  als  genaue  Nachahmungen  alter  Stücke  denselben ­
  Liebhabereien  ihre  Entstehung  verdanken.
In  auffälliger  Weise  begegnet  uns  die  antiquarische  Richtung  in
der  italienischen  Abtheilung.  Intarsien  sowohl  wie  Schnitzwerke
werden  in  Venedig,  Florenz,  Siena  und  Rom  seit  einer  Reihe  von  Jahren ­
  für  den  Antiquitätenhandel  fabricirt,  und  Möbeln  dieses  Ursprunges
sind  diesseits  der  Alpen  bereits  zu  einem  stehenden  Artikel  der  Antiquitätenmagazine ­
  geworden.  Für  den  erfolgreichen  Absatz  derselben  bot
die  im  Herbst  des  Jahres  1872  im  Zeughaus  zu  Berlin  veranstaltete
Ausstellung  älterer  KunstgewerbserzeugnisSe  merkwürdige  Beispiele.
Es  ist  als  ein  entschiedener  Fortschritt  zu  betrachten,  dass  eine  Reihe
italienischer  Arbeiter  dieser  Richtung,  welche  bis  dahin  den  Weitaus-
            
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