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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc.
Abendlandes die Nachfrage nach solchen originalen Werken, dass Alles,
was durch die Sorgfalt älterer Sammler, durch Ueberlieferung alten
Familienbesitzes oder durch den glücklichen Zufall des Vergessenwerdens
an vergessenem Orte vor der Zerstörung durch den Zahn der
Zeit oder den gefährlicheren Modewechsel bis auf unsere Tage gerettet
worden und allgemach auf den Markt gebracht wird, das Bedürfniss
nicht befriedigen kann. In Folge davon steigen die Werthe zu Vielen
unerschwinglichen Affectionspreisen, so dass es ein lohnendes Geschäft
wird, die alten Dinge getreulich nachzuahmen und diese Nachahmungen
auf allerlei Schleichwegen als Originale in den Handel und
an den Mann zu bringen. So ärgerlich es für den einzelnen Liebhaber
sein mag, bei seinen Einkäufen über die Wahrheit des Sprichwortes
„Augen für Geld“ bittere Erfahrungen zu sammeln, im Grunde
haben doch jene Fälscherwerkstätten einen segensreichen Zusammenhang
mit dem Aufblühen des Kunsthandwerks; mehr denn eine von
ihnen, die im Dienste trügerischer Händler heimlich begann, hat sich
unversehens zu selbstständiger Arbeit am offenen Tage aufgeschwungen.
Eine ganze Reihe von neuen Industriezweigen, vornehmlich gewisse
Arten der Glasmacherkunst, des Emaillirens, der Kunsttöpferei,
sind auf eben diesem Wege aus Jahrhunderte langer Vergessenheit urplötzlich
aufgetäucht. Die Kunst des Kristallschliffes ist vor Kurzem
in eben der Weise neubelebt worden, wie vor langer Zeit einmal die
Gemmenschneidekunst durch die Fälschung altrömischer Gemmen.
Noch entzieht sich manche der in ähnlicher Weise im heutigen Kunstgewerbe
wirksamen Triebfedern aus naheliegenden Gründen unserer
Beobachtung. Die interessante Aufgabe, alle diese Einflüsse in ihrer
Bedeutung für den schon errungenen und noch erhofften Aufschwung
der Kunstgewerbe in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts
darzulegen, muss einer späteren Zeit Vorbehalten bleiben. Es fragt
sich für uns gegenwärtig nur, welche Einflüsse dieser Art in der Holzindustrie
schon heute sichtbar wirken. Zugleich wird hier derjenigen
Arbeiten zu gedenken sein, welche, wenngleich keineswegs auf Täuschung
berechnet, doch als genaue Nachahmungen alter Stücke denselben
Liebhabereien ihre Entstehung verdanken.
In auffälliger Weise begegnet uns die antiquarische Richtung in
der italienischen Abtheilung. Intarsien sowohl wie Schnitzwerke
werden in Venedig, Florenz, Siena und Rom seit einer Reihe von Jahren
für den Antiquitätenhandel fabricirt, und Möbeln dieses Ursprunges
sind diesseits der Alpen bereits zu einem stehenden Artikel der Antiquitätenmagazine
geworden. Für den erfolgreichen Absatz derselben bot
die im Herbst des Jahres 1872 im Zeughaus zu Berlin veranstaltete
Ausstellung älterer KunstgewerbserzeugnisSe merkwürdige Beispiele.
Es ist als ein entschiedener Fortschritt zu betrachten, dass eine Reihe
italienischer Arbeiter dieser Richtung, welche bis dahin den Weitaus-