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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe VIII. Holz-Industrie. 
dem Leben abgelauschten kleinen Terracottafigürchen aus dem Volks 
leben der französischen Seeküsten ? Mit dergleichen freistehenden kleinen 
Figuren Hesse sich auf Möbeln und Etageren eher etwas anfangen. 
Nur müsste man der sehablonenmässigen Behandlung, wie sie im Ber 
ner Oberlande beliebt ist, widerstehen und sich jenes künstlerische 
Streben erhalten, das in den erwähnten Tableaus unser Lob verdient. 
Auch in den Sudeten wird die Holzschnitzerei in ziemlichem Um 
fange, vornehmlich in der Grulicher Gegend betrieben. Was von dort 
aus in der achten Gruppe ausgestellt war, gehört aber mehr dem Genre 
der Spielwaaren an, die uns hier nicht beschäftigen. Einiges deutete 
auf religiöse Einflüsse. 
Sollen die Bemühungen, die Holzschnitzindustrie in den Gebirgs- 
ländein zu einer dauernden Erwerbsquelle für deren Bewohner zu ent 
wickeln, von Erfolg gekrönt sein, so muss dabei auch das Verhältniss 
zu der Kunsttischlerei in den Städten ins Auge gefasst werden. Durch 
die Herstellung vieler einzelner Theile von Möbeln, von Füllornamenten 
aller Art, Rahmen, Bekrönungen u. s. f. könnten jene Schnitzer im Zusam 
menhang mit der Möbelfabrikation arbeiten. Dabei wäre es nicht 
nöthig, diese Theile nur als Massenartikel, die nur zu beliebigen Möbeln 
verwendet würden, zu fabriciren. Hesse sich die Ausführung sehr 
wohl nach gegebenem Modell für die einzelnen Fälle beschaffen. Möge 
dies nun ausführbar sein, oder nicht, jedenfalls sollte man es nicht so 
vorwiegend wie jetzt auf die Herstellung von Nippes absehen, sondern 
die Bedürfnisse des ganzen besseren Hausgeräthes .im Auge behalten. 
Was sonst noch in der Art der Berner Oberlandsschnitzeleien von 
einzelnen Ausstellern in Wien gezeigt wurde, war durchgehends be 
deutungslos. Erwähnenswerthe Ausnahmen boten nur die Nachge 
nannten. 
Jean Frangois van Ginderdeuren ans Brüssel hat jene In 
dustrie, deren Erzeugnisse bis dahin aus Deutschland oder der Schweiz 
bezogen werden mussten, zuerst in Belgien eingeführt. Er beschäftigt 
angeblich 400 Arbeiter und erzielt bereits einen jährlichen Umsatz von 
über 300 000 Francs. — Die Ausführung seiner Schnitzarbeiten steht 
auf nicht geringerer Höhe als die der schweizerischen, nur zeigt das 
verarbeitete Holz einen stumpferen, ins Graue stechenden Ton. Die 
grossen Paradestücke mit Anläufen zu stilisirten Ornamenten, unter An 
derem ein Spiegelrahmen mit Chimären und Attributen der Künste und 
Wissenschaften (1500 Francs), waren verfehlte Arbeiten. Die „Buvard“- 
Schnitzerei ist noch nicht berechtigt, ihre Arbeiten in Reih’ und Glied 
mit den Kunstmöbeln des eleganten Salons zu stellen. Dagegen ge 
hörten die weniger anspruchsvollen Leistungen zu dem Besten in dieser 
Art, was überhaupt zu sehen war, so z. B. zwei ovale Rahmen, umkränzt 
mit recht natürlich nachgebildeten und zugeich gut angeordneten Zwei-
	        
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