III. Die Erzeugnisse der Bautischlerei u. Parquetenfabrik. 559
für die Collectivausstellung der österreichischen Zuckerindustriellen
angefertigt worden.
Ausserdem hatte eine beträchtliche Zahl von Bautischlern, meist
Wiener, unmittelbar ausgestellt und zwar vorzugsweise Portalarbeiten
und Jalousien.
Die Portaltischlerei ist in Wien ganz besonders entwickelt wegen
der dort üblichen Verkleidung des Erdgeschosses der zu Läden einge
richteten Häuser mit decorativen Holzverschalungen, die freilich einer
kräftigen Ausbildung der Architektur an jenem Theile Abbruch thun
oder solche vorhanden, sie ganz verdecken, für den Aufputz der
Waaren in den Schaufenstern aber Vortheile bieten, da sie die meh
reren Fenster zu einem einheitlichen Ganzen zusammenfassen und ge
statten , die zu flachen Auslagekasten eingerichteten, mindestens für
Inschriften benutzten Wände zwischen den Fenstern in die Decoration
einzubeziehen. Diese Art Arbeiten sind es denn auch, deren zu be
schaffende Verzierung von wesentlichem Einfluss auf die auffallende
Entwickelung gewesen ist, zu welcher sich das Anstreichergewerbe
in Wien emporgeschwungen hat. Das bemerkenswertheste Beispiel
dieser Art Arbeiten hatte Martin Kien als Wanddecoration des Ein
ganges ans der Collectivausstellung der Wiener Tischler in die Haupt-
gallerie zur Schau gestellt. Gute Architektur, der Grösse der Anlage
entsprechend kräftig behandelte Schnitzarbeit und schicklich ange
brachte Vergoldung waren an dem ganz aus polirtem Nussholz ange
fertigten stattlichen Stück zu loben.
Andere Wiener hatten tüchtig gearbeitete Hausthüren ausgestellt;
H. M. Wackenroder zeigte mehrere, an denen Eichen-, Nussholz und
Palisander in der bei den Wiener Möbeln beschriebenen Weise gute
Verwendung gefunden hatten. Kaspar Nedbal einfachere von
Eichenholz, an denen zu sehen war, wie gut gerade bei dergleichen
gröberen Tischlerarbeiten eine reichere und scharf gearbeitete \ ei-
kröpfung des Bahmenwerkes wirkt. Eine gute Hotelthür aus Eichen
holz mit reichem Schnitzwerk hatte auch Alois Michel aus Pest in
der ungarischen Abtheilung ausgestellt.
Wieder Andere zeigten elegantere Wandgetäfel für das Innere
reicher Häuser. Des von Heinrich Dübell &. Söhne ausgestellten
ist schon bei derselben Möbel gedacht worden (S. 484). Eine
andere gute Arbeit dieser Art in abwechselnd polirtem und mattem
naturfarbenen Eichenholz mit reicherer Schnitzarbeit hatte Adalbert
Welser ausgestellt; der Durchschnittspreis eines Getäfels, einschliess
lich der Thüren mit Schlosserarbeit, wurde auf circa 100 fl. per qm an
gegeben. — Einen nicht unzweckmässigen Mechanismus, der freilich
nur in den seltenen Pallen praktische Bedeutung hat, wo eine sehr be
trächtliche Mauerstärke seine Anwendung gestattet und Sclyebthüren
nicht anzubringen sind, bemerkten wir an der Doppelsalonthür aus po-