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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe VIII. Holz-Industrie. 
Stellungen ferngebheben waren, endlich in Wien offen mit ihren Nach 
ahmungen hervortraten. Die Besten ihres Faches waren es freilich 
nicht, denn diese, wie die Gatti, Frullini, Besarel, haben früher jenen 
bchntt gewagt und arbeiten seit Jahren unter eigener Firma. Es 
waren aber doch Männer darunter, von denen Erfreuliches erwartet 
werden kann, sobald gewisse üble Angewöhnungen überwunden sein 
werden. Die beabsichtigte Täuschung forderte früher eine Nachahmung 
auch der Fehler alter Arbeiten und jener Merkmale, welche, wie un 
gleiches Schwinden und Werfen des Holzes, Wurmfrass und zufällige 
Beschädigungen, manchem Liebhaber als ein „untrügliches“ Zeichen der 
Aechtheit gelten. Das führte denn zu arger Vernachlässigung der 
eigentlichen Schreinerarbeit; ob die Schubladen luftdicht schlossen ob 
die Gehrungen sich sauber fügten, ob die Fourniere gleichmässig die 
flachen deckten, wurde wenig gefragt, erleichterte doch das Gegentheil 
den Verkauf, so dass selbst geflissentliche Verunstaltungen, wie z. B. 
das Einsetzen eines Flickens in die Ebenholzfourniere, angebracht 
schienen. Belege hierfür waren nicht selten in der italienischen Abthei 
lung: alle diejenigen aber, die dieses Mal auch nur mit solchen fehler 
haften Arbeiten auftraten, haben damit gewissermaassen ihrer Vergan 
genheit entsagt und verstärken die Reihen der italienischen Kunst 
handwerker. 
Kein anderes Land bot annähernd ähnliche Erscheinungen, wenn 
gleich Nachahmungen alter Originale überall zu finden waren. Als 
eine glänzende Leistung dieser Art ist jedoch nur der Ebenholzschrank 
von August Schoenicke in Danzig zu erwähnen: eine Nachahmung 
jener schweren, doppelthürigen Kleiderschränke aus dem Ende des 
17. Jahrhunderts, wie sie in der Heimathstadt des Verfertigers noch 
heute den Flur manches alten Patrizierhauses schmücken, auch in 
Lübeck, Hamburg und in anderen Handelsstädten der Seeküste noch 
aufig angetroffen werden. Das Schnitzwerk dieser Schränke, haupt 
sächlich Festons oder Hermen an den Lisenen und ein grosses Mittel 
stuck oben am weit vorgekröpften Gesims ist im richtigen Verhältniss 
zu der Grösse der Möbel meist recht derb behandelt, ihre Hauptzierde 
biiden dm reichen und mannigfaltigen Verkröpfungen auf den beiden 
1 hurfullungen und an der unteren Schublade. Auch wer für den Auf 
wand so vieler Mühe und so kostbaren Materials ein edleres Vorbild 
wünschen möchte, wird Schoenicke’s Verdienst anerkennen, in jenen 
Verkröpfungen mit ihrer unübertrefflichen Genauigkeit der Gehrun 
gen und der vollendeten Sauberkeit ihrer Profile und Kanten aufs 
Beste an eine sehr gefällige Verzierungsweise der Füllungen erinnert 
zu haben, die heute fast ganz in Vergessenheit gerathen und doch zur 
Wiederaufnahme wohl geeignet wäre, weil sie mit rein schreiner- 
massiger Technik die Flächen durch wirkungsvollen Licht- und 
Schattenwechsel zu beleben weiss.
	        
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