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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe VIII. Holz-Industrie. 
Gipfelpunkt erreichte diese herrschende Richtung in einer von Alex. 
Järay in der Collectivausstellung der Wiener Tapeziere gezeigten glän 
zenden Saloneinrichtung, deren sämmtliche Möbelgestelle vergoldet 
waren, und die sich überdies dadurch hervorthat, dass die in blassblauer 
und rosa Seide ausgeführte Polsterung der Sessel sich als Verkleidung 
der Wände wiederholte, als solle eine mit dem Veitstanz Behaftete davor 
bewahrt werden, sich an ihnen zu stossen. Wilh. Fehlinger debu- 
tirte in derselben Ausstellung mit hell lackirten, zu ausgesprochen ins 
Grüne fallenden Schlafzimmermöbeln als Nachfolger des Parisers Gallais. 
In der ungarischen Abtheilung bot nur Josef Taussig & Co. 
in Pest relativ Verdienstvolles. Der grosse in Gold, Marmor- und 
Malachitfacitation strotzende Altar Carl Ildeny’s war ein Zerrbild 
kirchlicher Kunst. 
Ein Glanzpunkt ersten Ranges in der Möbelgallerie war die Aus 
stellung von Heinrich Pallenberg in Köln a. Rh., der dem deut 
schen Reiche das dritte der drei in der achten Gruppe errungenen 
Ehrendiplome gewann. Das im Jahre 1828 gegründete, zur Zeit unter 
obiger Firma von Jacob und Franz Pallenberg geleitete Geschäft 
betreibt mit über 300 Arbeitern, wovon 250 innerhalb der Fabrik 
räume, und mit Holzbearbeitungsmaschinen von 25 Pferdekraft die 
Herstellung von nahezu Allem, was zur vollständigen inneren Aus 
schmückung des bürgerlichen Wohnhauses wie des Palastes begehrt 
werden kann: die Herstellung von feinen Bautischlerarbeiten, von 
Möbeln (m. s. S. 512), Rahmen, Spiegeln, Candelahern, Consolen, vön 
Vergolder- und Tapezierarbeiten, von Modellen für den Bronzearbeiter. 
Nimmt es schon durch diesen in Deutschland nicht eben häufigen Um 
fang seiner von künstlerischem Streben geleiteten Thätigkeit einen 
bedeutenden Rang ein, so verdiente es vollends die höchste Auszeich 
nung durch die unvergleichliche Vollendung seiner Specialitäten in 
Decorationstheilen aus Carton-pierre, in Spiegel- und Bilderrahmen und 
Vergolderarbeiten. Meisterliche Handhabung der Technik, Kenntniss 
der historischen Stilarten und Mitarbeiter ersten Ranges für die An 
fertigung der Modelle wirken hier unter einer von feinem Geschmack 
beseelten Oberleitung, um Leistungen zu schaffen, welche in der Wiener 
Ausstellung ihres Gleichen nicht fanden. 
Das Pallenherg’sehe Compartiment war eines der wenigen in 
der deutschen Galerie, denen die Aufrechterhaltung ihrer Exclusivität 
gelungen war und das auch sonst durch die Ausstattung an die Com- 
partimente der Pariser Möhleure anheimelnd erinnerte. Von den Haupt 
stücken nennen wir einen in Carton-pierre ausgeführten, in Sandstein 
farbe gehaltenen schönen Kamin im Stil der Spätrenaissance, das Roll 
werk in jener in Deutschland selteneren feinen Ausprägung, welche die 
besten Arbeiten in den französischen Schlössern jenes Stiles kenn 
zeichnet. — Mehr an die niederländische Richtung erinnerte ein grosser
	        
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