576
Gruppe VIII. Holz-Industrie.
Gipfelpunkt erreichte diese herrschende Richtung in einer von Alex.
Järay in der Collectivausstellung der Wiener Tapeziere gezeigten glän
zenden Saloneinrichtung, deren sämmtliche Möbelgestelle vergoldet
waren, und die sich überdies dadurch hervorthat, dass die in blassblauer
und rosa Seide ausgeführte Polsterung der Sessel sich als Verkleidung
der Wände wiederholte, als solle eine mit dem Veitstanz Behaftete davor
bewahrt werden, sich an ihnen zu stossen. Wilh. Fehlinger debu-
tirte in derselben Ausstellung mit hell lackirten, zu ausgesprochen ins
Grüne fallenden Schlafzimmermöbeln als Nachfolger des Parisers Gallais.
In der ungarischen Abtheilung bot nur Josef Taussig & Co.
in Pest relativ Verdienstvolles. Der grosse in Gold, Marmor- und
Malachitfacitation strotzende Altar Carl Ildeny’s war ein Zerrbild
kirchlicher Kunst.
Ein Glanzpunkt ersten Ranges in der Möbelgallerie war die Aus
stellung von Heinrich Pallenberg in Köln a. Rh., der dem deut
schen Reiche das dritte der drei in der achten Gruppe errungenen
Ehrendiplome gewann. Das im Jahre 1828 gegründete, zur Zeit unter
obiger Firma von Jacob und Franz Pallenberg geleitete Geschäft
betreibt mit über 300 Arbeitern, wovon 250 innerhalb der Fabrik
räume, und mit Holzbearbeitungsmaschinen von 25 Pferdekraft die
Herstellung von nahezu Allem, was zur vollständigen inneren Aus
schmückung des bürgerlichen Wohnhauses wie des Palastes begehrt
werden kann: die Herstellung von feinen Bautischlerarbeiten, von
Möbeln (m. s. S. 512), Rahmen, Spiegeln, Candelahern, Consolen, vön
Vergolder- und Tapezierarbeiten, von Modellen für den Bronzearbeiter.
Nimmt es schon durch diesen in Deutschland nicht eben häufigen Um
fang seiner von künstlerischem Streben geleiteten Thätigkeit einen
bedeutenden Rang ein, so verdiente es vollends die höchste Auszeich
nung durch die unvergleichliche Vollendung seiner Specialitäten in
Decorationstheilen aus Carton-pierre, in Spiegel- und Bilderrahmen und
Vergolderarbeiten. Meisterliche Handhabung der Technik, Kenntniss
der historischen Stilarten und Mitarbeiter ersten Ranges für die An
fertigung der Modelle wirken hier unter einer von feinem Geschmack
beseelten Oberleitung, um Leistungen zu schaffen, welche in der Wiener
Ausstellung ihres Gleichen nicht fanden.
Das Pallenherg’sehe Compartiment war eines der wenigen in
der deutschen Galerie, denen die Aufrechterhaltung ihrer Exclusivität
gelungen war und das auch sonst durch die Ausstattung an die Com-
partimente der Pariser Möhleure anheimelnd erinnerte. Von den Haupt
stücken nennen wir einen in Carton-pierre ausgeführten, in Sandstein
farbe gehaltenen schönen Kamin im Stil der Spätrenaissance, das Roll
werk in jener in Deutschland selteneren feinen Ausprägung, welche die
besten Arbeiten in den französischen Schlössern jenes Stiles kenn
zeichnet. — Mehr an die niederländische Richtung erinnerte ein grosser