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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

580 Gruppe VIII. Holz - Industrie. 
ausser Preisbewerbung stand; Hugo Riha, welcher für ein neues\er 
fahren, mit dem Kitte sofort die Grundfarbe für die in Folge davon 
binnen 24 Stunden herzustellenden Imitationen aufzutrageu, mit der 
Fortschrittsmedaille ausgezeichnet wurde; ferner Math. Bayer, Joh. 
Dauber, Wenz. Hruschka und Anton Reuss. 
Deutschland war mit dieser Specialität nicht vertreten. Frank 
reich zeigte dieselben Imitationen in vorzüglicher Ausführung auf 
dünnen Stanniolblättern, die, von der Werkstatt fertig bemalt geliefert, 
an Ort und Stelle nur aufgeklebt zu werden brauchen — ein neues 
Verfahren, welches von der Societe de peinture decorative et 
d’impression sur Etain, die dafür die Fortschrittsmedaille erhielt, 
ausgebeutet wird. England war durch J. Duncan in London, Nord 
amerika durch Pape Brothers & Kugemann in Cincinnati mit 
verdienstlichen, aber die Leistungen der Wiener nicht völlig erreichen 
den Holz- und Marmor-Imitationen vertreten. 
Endlich begegnen wir auch in diesem Zusammenhang den Japa 
nern. Wollen wir die wenigen ihrer Lackarbeiten, die durch äussere 
Umstände oder unklare Gruppenabgrenzung vor die Jury der achten 
Gruppe gerathen waren' auch nicht aus dem Zusammenhang mit den 
übrigen, höchst interessanten Lackarbeiten reissen, deren Besprechung 
einem anderen Berichterstatter obliegt, so müssen wir hier doch eini 
ger Tableaux mit Anstreicherproben auf Holz gedenken, die unter dem 
Kamen Hashimoto in Tokio ausgestellt waren. Die eine dieser Muster 
sammlungen von 42 Stücken war dadurch besonders interessant, weil 
sie die fortschreitende Herstellung des Lacküberzuges vom ersten Sta 
dium an verfolgen liess, in welchem das Holz mit einem ganz feinen, 
canevasartigen Gewebe beklebt wird, auf welches dann successive die 
Lackschichten aufgestrichen werden. Diese Muster waren aber auch 
insofern sehr lehrreich, als sie zeigten, wie der Lackanstrich nicht noth- 
wendig auf die Imitationen fremder Stoffe angewiesen ist, in deren 
Fesseln die Wiener Lackirer und Anstreicher sich gefallen. Die Japa 
ner haben für ihren einfachen Lackanstrich den richtigen Stil gefun 
den, indem sie als höchstes Ziel nicht die oberflächliche Täuschung des 
Auges, die doch leicht von den anderen Sinnen, beim Marmor sofort 
durch das Gefühl, wieder zerstört wird, suchten, sondern sich in den 
natürlichen Grenzen der technischen Mittel bewegen lernten. Das haben 
sie erreicht, indem sie ihren lebhaft gefärbten Farbanstrichen eine ge 
tupfte, getigerte, gestrichelte, geflammte Musterung gaben, auch goldene 
Streublätter gleichmässig über die Fläche vertheilten und sonst man 
cherlei einfache aber eigenartige, weder die Äderung des Holzes noch 
die Zufälligkeiten des bunten Marmors nachahmende Abwechselung in 
die Farbenzusammenstellung brachten.
	        
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