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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

IV. Die Farbanstriche und vergoldeten Holzwaaren. 581 
Schliesslich haben wir noch einer Anzahl anderweiter Verbindun 
gen von Holz mit Farbe und Lack zu gedenken, die sich in die oben 
angenommenen Abtheilungen nicht einreihen. 
Von den Erzeugnissen der Abendländer sind hier die Artkies de 
Spaa zu erwähnen: Rahmen, Bonbonnieren, Papiermesser, Servietten 
ringe, Schmuckkästchen, Handschuhkasten, Albumdeckel u. s. w. u. s. w. 
meist aus Rosskastanienholz, doch auch aus anderen Hölzern, welche 
durch Liegen in dem Wasser der heissen Quellen von Spaa eine eigen- 
thümliche graue Farbe annehmen, bemalt mit naturalistischen Blumen, 
Thierköpfen, Genrebildchen ä la Watteau oder ä la Knaus, und mit 
farblosem Lack überzogen, im Preise von wenigen Centimes bis zu 
450 Francs. Diese in kunstgewerblicher Hinsicht wenig verdienst 
vollen Artikel, deren Fabrikation aber in Folge des Absatzes an das 
die Bäder besuchende Fremdenpublicum von wirthschaftlicher Bedeu 
tung für die Gegend von Spaa geworden ist, wurden in der mannig 
faltigsten Auswahl gezeigt von Henrard-Richard, in minderer Reich 
haltigkeit von E. Krins und J. E. Marin. 
Den Uebergang zu den Arbeiten des Orients bildeten die von 
A. A. Tatischtscheff ausgestellten russischen lackirtenHolzwaaren. 
Dieselben werden im Dorfe Ustwolno, Gouvernement Nowgorod, haupt 
sächlich wohl auf dem Wege der Hausindustrie durch bäuerische Ar 
beiter in grosser Menge hergestellt. Es sind Geräthe, Gebisse und 
Möbeln jeder Art, denen durch bunte Bemalung und Lackirung ge 
fälliger und dauerhafter Schmuck verliehen wird. In den Farben 
herrschten ein kräftiges Roth und Gold charakteristisch vor, in zweiter 
Linie Schwarz, Weiss und Grün, selten nur mischen andere Farben 
sich ein. Die Formen der Möbel sind meist originale: einfache Dreehsler- 
arbeit an den Stützen und anderen senkrechten Gliedern, glatte Flä 
chen an den Lehnen der Stühle und den Seiten der vorn meist offenen 
Schränke, einfache, ungeschwungene Profile an den Gesimsen, hier und 
da mit ausgesägten Zacken; die Gefässe sind entweder schlichte Bött 
cherarbeit oder gedrechselt, auch sie zeigen, durchaus angemessen, nur 
einfache Profile. Dazwischen aber tauchen allerlei bewegtere Formen 
auf. Die den Pferdeköpfen an den Giebeln der Bauernhäuser entlehn 
ten, mit halben Leibern verwachsenen Pferde als Bankstützen kann 
man gelten lassen. Schlimm aber sind die Stuhllehnen in Form eines 
russischen Adlers oder eines Pfaues mit entfaltetem Schwanz. Die auf 
diese Körper gemalten Ornamente zeigen neben guten alten Motiven, 
geometrischen Flächenmustern, byzantinischen Bandverschlmgnngen 
und spärlichen stilisirten Blumen jene haltlose Fülle naturalistischer 
Blumistik, von der die westeuropäische Ornamentation sich frei zu 
machen erfolgreich ringt. Zum Glücke hält die wenig umfangreiche 
Palette der russischen Bauern das wüste Blumenwerk zu einem Schein
	        
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