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Full text : Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

582

Gruppe  VIII.  Holz-Industrie.

von  Stil  zusammen.  Ob  dieser  Tkeil  der  Ornamente  im  Dorfe  Ustwolno
  heimathberechtigt,  oder  ob  sein  Eindringen  mit  dem  Umstande
verknüpft  ist,  dass  die  dort  erzeugten  lackirten  Holzarbeiten  in  St.  Petersburg ­
  (kleine  Morskoi,  Haus  Tatisehtscbeff  Nro.  8)  durch  ein  grosses
Magazin  vertrieben  werden,  vermögen  wir  nicht  zu  entscheiden.  Letzterenfalls
  läge  hier  eine  Erscheinung  vor,  wie  wir  sie  anlässlich  der  Arbeiten ­
  des  Orients  ausführlich  besprochen  haben.

Aus  der  persischen  Abtheilung  gehören  hierher  die  Bein-  und
Metallmosaiken  von  Schiraz  und  Isfahan,  welche  an  Thüren  und  Möbeln ­
  des  persischen  Königshauses,  an  Spiegelrahmen,  Schreibetuis,  musikalischen ­
  Instrumenten  und  vielerlei  kleinerem  Geräth  zu  sehen  waren.
Auf  den  ersten  Blick  glaubte  man  etwas  in  Art  der  Bombaymosaiken,
nur  verändert  durch  goldigen  Lacküberzug,  vor  sich  zu  haben.  Bei
näherer  Untersuchung  aber  stellte  sich  heraus,  dass  diese  gleichfalls
aus  kleinen  Metall-,  Elfenbein-  und  Holzblättchen  in  geometrischen
Mustern  zusammengesetzte  Mosaik  in  technischer  Hinsicht  von  der
indischen  wesentlich  unterschieden  ist.  Die  Blättchen  sind  nicht  in
ein  hartes  Holz  gelegt,  sondern  scheinen  nur  in  einen  weichen,  dem
Papiermache  ähnlichen  Ueberzug  des  Holzes  eingedrückt,  sodann  lackirt
zu  sein.  Daher  eine  geringere  Sauberkeit  der  Muster,  geringere  Haltbarkeit, ­
  aber  auch  die  Möglichkeit,  gekrümmte  Flächen  aller  Art  mit
diesem  Ueberzug  zu  schmücken.

In  der  indischen  Abtheilung  waren  nur  die  bekannten  Sgrafitto-Lackarbeiten
  reichlich  vertreten.  Hölzerne  Kasten,  kugelförmige  Dosen,
I  ennale,  zum  I  heil  von  beträchtlicher  Grösse  und  fast  alle  in  Sätzen
von  drei  bis  sieben  genau  ineinander  passenden  Stücken,  bemalt  mit  getupften ­
  oder  marmorirten  Lackfarben,  in  denen  ein  lebhaftes  Gelbroth
als  Grund  vorwiegt,  und  verziert  mit  Bändern  und  Streifen  in  drei  bis
sechs  Farben,  schwarz,  grün,  roth,  gelb,  weiss  und  seltener  schmutzig
blau,  welche  Farben  in  Schichten  von  gleichmässiger  Dicke  eine  über  der
anderen  aufgetragen  sind,  auf  denen  dann  durch  theilweises  'Abschaben
und  Auskratzen,  wie  beim  Sgrafitto,  einfache,  schönstilisirte  Blumen
und  geometrische  Muster  gebildet  werden.
In  wenigen  Stücken  nur  waren  jene  Lackmalereien  auf  Holz  vertreten, ­
  welche  die  bekannten  Muster  der  Kaschmirshawls  in  Farben
und  Gold  reproduciren.  Das  Schönste  war  ein  Paar  kleiner  Thürflügel
aus  sehr  schwerem  Holze,  wohl  einer  Wandnische  entnommen.  Auf
den  Füllungen  waren  die  schönsten  Shawlmuster  in  allen  Farben  gemalt, ­
  die  nun  beim  Oeffhen  der  Thüren  durch  das  veränderte  Einfallen
des  Lichtes  nach  einander  und  abwechselnd  mit  dem  Golde  den  Farbenaccord
  beherrschten;  die  Rahmen  waren  mit  kleinen  blauen  und  rothen
Blumen  auf  Goldgrund  besäet,  die  durch  Abfasung  der  Kanten  entgtäJldenei}
  Flächen  lebhaft  grün  mit  goldenen  Arabesken.
            
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