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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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I. Die Erzeugnisse der Möbeltischlerei etc. 
ihre scharfen Kanten und Ecken den Kopf des in ihnen der Kühe 
Pflegenden bei einer lebhaften Wendling oder Erhebung im Schlafe 
gefährden. Sobald einmal zwei zusammengehörige Betten hart neben 
einander gestellt waren, fiel jene Unzuträglichkeit klärlich in die Augen. 
So auch bei zwei einschläfrigen Betten des Mailänders Meget. Hiervon 
abgesehen sind jene Wiener Betten mit ihrem Zubehör von Nacht 
tischchen und dergleichen als tüchtige Leistungen anzuerkennen; die 
Collectivausstellung der Wiener Tischler bot deren in beträchtlicher 
Anzahl. Wo die Aussteller Tapeziere waren, spielten dabei die Drape 
rien des Betthimmels stets eine hervorragende Rolle, des Oefteren auch 
eine aufdringliche, indem an kostbaren Geweben mehr verschwendet 
war, als dem Aufwand auf die Holzarbeit des Gestelles entsprochen 
hätte. Die Betthimmel waren durchgehends nach modern-französischer 
Art angeordnet, ohne sichtbares Holzgerüst und mehr decorative Zuthat, 
als dass sie den Ruhenden gegen Zugluft und grelles Licht hätten schützen 
können. Nur ein einziges Bett — in dem von Philipp Haas &Söhne 
ausgestellten reizenden Schlafzimmer mit Mobiliar aus schwarzem Holze 
und weiss-rothen Bezügen — zeigte die gute ältere Form t bei welcher 
die Bettvorhänge ringsum von einem Rahmen herabhängen, der vier 
von den vier Pfosten des Bettes aufsteigende Stützen verbindet. Diese 
Form hatte auch Daniel Schäffler aus Nürnberg einer im Stile der 
deutschen Spätrenaissance ausgeführten Bettstelle zu Grunde gelegt. 
Wir trafen sie ferner an. dem von Emilio Tru<n in Florenz ausge 
stellten Himmelbett und bei dem herrlichen Bett von Colin Dämon 
& Co., einer Zierde der französischen Abtheilung. Dass auch Jackson 
& Graham’s Bettgestell in englisch - gothischem Stile mit Vorhängen 
ausgestattet war, die in vollen Falten auf den Fussboden herabfielen 
und zugezogen das Bett rings abschlossen, versteht sich, denn in Eng 
land hat sich diese zweckmässige Form des Betthimmels bis auf den 
heutigen Tag in der Einrichtung des bürgerlichen Hauses erhalten. 
Zum Schlüsse haben wir in diesem Zusammenhang noch derjeni 
gen Möbel zu gedenken, welche als Tische, Gestelle, Etageren, Vitri 
nen, in der Ausstellung selbst für die Schaustellung kleinerer oder vor 
dem Staube zu schützender Gegenstände dienten. Man kann allge 
mein zweierlei Arten dieser Möbel unterscheiden: diejenigen, welche 
jenem Zwecke so zu dienen bestimmt sind, dass sie die möglichst freie 
und allseitige Besichtigung der in ihnen ausgestellten Gegenstände ge 
statten, und diejenigen, welche obendrein in ihrem Aufbau und Auf 
putz dem Ausgestellten Reclame machen sollen. Dass der letztere 
Zweck den ersteren leicht beeinträchtigen muss, liegt auf der Hand. 
Auf die erstere Art finden alle diejenigen Kriterien Anwendung, nach 
welchen wir die Schauschränke in unseren öffentlichen Sammlungen 
beurtheilen: möglichste Beschränkung des Rahmen- und Sprossenwerks, 
möglichste Ausdehnung der Glassscheiben, dem Werthe der ausgestell-
	        
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