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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe VIII. Holz-Industrie. 
ten Gegenstände angemessene Sicherheit des Verschlusses, eine Fär 
bung, welche zu der des Inhaltes stimmt. Die zweite Art, die recht 
eigentlich ein Erzeugnis der Ausstellungen ist, wird in jedem einzel 
nen Falle besondere Bildungen zeigen; so interessant diese auch bis 
weilen sein mögen, thut ihre Häufigkeit doch dem Gesammtbilde' einer 
Ausstellungsabtheilung entschiedenen Abbruch und schadet der sach 
lichen Beurtheilung der Leistungen um so mehr, als die Menge ohne 
hin geneigt ist, den Werth des Inhaltes über dem des Gefässes zu 
vergessen. Ueberblicken wir von diesen Gesichtspunkten aus die 
Schauschränke der verschiedenen Nationen, so müssen wir auch hier 
leider eine merkliche Inferioi’ität der Deutschen, verglichen mit den 
Oesterreichern, Engländern und Franzosen, constatiren. Man war in 
Deutschland freilich von dem Gedanken ausgegangen, dass möglichst 
einheitliche Schauschränke an Stelle der auf früheren Ausstellungen 
von jedem einzeihen Aussteller nach Laune und Mitteln beschafften 
treten müssten und dass auch die jetzt noch von den Einzelnen un 
mittelbar zu liefernden Schränke einer einheitlichen Kritik zu unter 
werfen seien, die gar zu ungestaltete Möbel zurückweisen könnte. Mit 
der Ausführung dieses richtigen Gedankens hat man aber kein Glück 
gehabt. Einerseits genügten die von der Commission gelieferten Aus 
stellungsschränke nicht in allen Beziehungen den oben gestellten An 
forderungen. Ihre Verhältnisse waren nicht gut gewählt, insbesondere 
Hessen sie die Rücksicht auf den grösseren und geringeren Umfang 
der Ausstellungsgegenstände vermissen; um ihre an und für sich ge 
sunde Construction auch äusserlich nachdrücklich zur Geltung zu 
bringen, zeigten sie viel zu viel Holz; auch wirkte ihre Bemalung mit 
stumpfem Graubraun recht hässlich. Andererseits machten sich die 
individuell gebildeten Schränke unnöthig breit — sie trugen wesent 
lich zu dem unordentlichen Eindruck gewisser Partien der deutschen 
Abtheilung bei. Franzosen und Engländer hatten ihre Vitrinen weit 
einfacher und zweckmässiger eingerichtet, unter häufiger Verwendung 
des Eisens für die Rahmen der grossen Glasscheiben; Holz und Eisen 
waren meistens schwarz bemalt. Aehnliche sehr praktische Vitrinen sah 
man auch in der österreichischen Abtheilung, die im Uebrigen mit der 
deutschen die Häufigkeit der Reclamesehränke voraushatte. In der 
russischen Abtheilung hatte sich der nationale Stil, der daselbst in den 
Goldschmiedearbeiten und Geweben herrschte, auch eines grossen Thei- 
les der Möbel bemächtigt, in denen diese ausgestellt waren. Sehr be- 
merkenswerth waren die originellen Etageren aus weissem, durchsichtig 
lackirtem und mit dunkelrothen und schwarzen Verzierungen sparsam be 
maltem Tannenholz in der schwedischen Abtheilung: eine klar ausge 
sprochene Construction, geschmackvoll angebrachtes Laubsägeornament 
und ein der Eigenthümlichkeit jedes einzelnen Ausstellungsobjectes 
geschickt angepasster Aufbau zeichneten sie vortheilhaft aus.
	        
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