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Full text: Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe VIII. Holz - Industrie. 
darstellendes Gemälde eingelassen und Waidmannsspriiche schicklich 
angebracht sind. — Das grosse Buffet von Gueret freres zeigt an den 
vier Pilastern der Seitentheile des Unterbaues Gehänge von Tafel 
früchten; ein aus Gerstenähren, Reben und Hopfenranken zusammen 
gesetztes Ornament schmückt die schmale Schublade oberhalb des 
.Mittelfaches, welches im Unterbau zur Aufnahme der Kühlkessel offen 
gelassen; die Mitte der oberen Rückwand füllt ein grosses Relief: im 
Waldesschatten ruht eine Nymphe am befreundeten Quell, neben ihr 
die Gefährten der Jagd, die flinken Windspiele. Den Bezug auf das 
Waidwerk wiederholt der gewaltige Hirschkopf, der in der Mitte des 
gebrochenen Giebels das Möbel krönend abschliesst. — Ein anderer 
Franzose, P. Mazaroz-Ribalier, ging, wie er selber mittheilt, beider 
Ausschmückung seines grossen, über und über vergoldeten „MeuWe de 
Salle ä manger“ davon aus, dass ein solches als „eine Art Hausaltar 
für den Cultus der Materie“ aufzufassen sei. Aus diesem Grunde zeigt 
er uns auf der grossen Mittelthür des Unterbaues die Geburt des Bac 
chus und die Verherrlichung der Früchte der Erde, „deren Erzeugung 
durch diesen Gott symbolisch vorgestellt wird.“ Fackelschwingende 
Maenaden und Faune mit dem Thyrsusstab tragen triumphirend den 
jungen Gott, der in einem mit Trauben, Weinlaub und Blumen ge 
schmückten Korbe ruht; auf den seitlichen Thürfeldern ranken Reben 
aus Amphoren empor. Die vier stierköpfigen Hermen am Unterbau 
deuten sowohl auf den Ackerbau wie auf den Cult des Bacchus Buce- 
phalos. Auf diesem Unterbau erhebt sich der „Tempel der dichterisch 
verklärten Materie“: der grosse schrankförmige Mitteltheil mit Spie- 
gelthüren und einer Bekrönung, deren Motiv Gebälk und Giebelfeld 
des dorischen Tempels; dahinter von der Rückwand des Möbels stei 
gen jederseits noch zwei dorische Säulen mit entsprechendem Gebälk 
frei auf. Vor letzteren Säulen und leicht an den Mittelschrank ge 
lehnt, steht jederseits ein junger Faun, der eine lächelnd dem Flöten 
spiel des anderen lauschend: beide „Vertreter des Menschen, der nach 
der Arbeit und der Ernte sein Siegeslied vor den Thoren des Tempels 
singt, in dem die guten Dinge bewahrt sind, die er durch seine ( Arbeit 
der Erde abgewann.“ Im Giebelfeld die Embleme des Sonnengottes, 
und oben auf der Giebelspitze die Büste Jupiter’s, „von welcher fried 
liche Blitze über die Bekrönung ausstrahlen, Sinnbilder der grossen 
elektrischen Strömung, die Alles bewegt.“ „So — sagt Mazaroz — 
verfuhren meiner Meinung nach die Alten bei ihren grossen und klei 
nen Werken, deren keines ohne Bedeutung, ohne lehrhaften Sinn war; 
sie nachzuahmen habe ich versucht.“ Man wird Mazaroz nicht folgen 
können in die spitzfindigen Deuteleien seiner bis zum Komischen gestei 
gerten Symbolik; der Weg aber, den er andeutet, wird für denjenigen, 
der ihn mit Geschmack wandelt und sich dabei vom Auskramen dilet 
tantischer Halbwisserei frei zu halten weiss, zu guten Früchten führen. 
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