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Full text : Holz-Industrie, Wiener Weltausstellung Heft 18

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Gruppe  VIII.  Holz-Industrie.
Tonkünstler  —  eine  ebenso  bequeme  wie  dürftige  Erfindung,  die  uns
an  Möbeln  und  Geräthen  der  Wiener  Galanteriewaarenfabrikanten  häufig
befremdete.  Sie  steht  ungefähr  auf  derselben  Höhe,  wie  die  Erfindung
der  beliebten  Inschrift  „Butter“  und  „Käse“  auf  den  für  diese  Speisen
bestimmten  Tellern  der  deutschen  Holzschnitzer.  Letztere  insbesondere ­
  sollten  darauf  bedacht  sein,  ihr  Geräth  auf  ansprechende  Weise
mit  sinnreichen  Sprüchen,  mit  beziehungsvollem  Ornament  mannigfaltig ­
  zu  schmücken.  Ein  „Unser  täglich  Brod  gieb  uns  heute“  auf
dem  hölzernen  Teller  zum  Schneiden  des  Brodes  erschöpft  Alles,  was
wir  an  brauchbaren  Sprüchen  vorfanden,  und  nicht  minder  gross  ist
die  Armseligkeit  der  Erfindung  in  den  Beziehungen  des  Ornamentes.
Die  wenigen  meist  roh  naturalistischen  Motive,  die  den  Holzschnitzern
geläufig  sind,  müssen  eben  für  Alles  herhalten.  Uebrigens  ist  nicht
zu  verkennen,  dass  in  den  deutschen  Holzschnitzschulen  auch  in  jener
Richtung  eine  Anregung  zum  Besseren  gegeben  ist,  welche  bei  den
Arbeiten  der  Schweizer  Holzschnitzer  noch  durchaus  vermisst  wird.
Das  Material  und  die  Farbe  der  Möbel.
Wie  das  historische  und  das  zweckliche  Element  in  den  Möbeln,
so  bietet  auch  das  Material  derselben  zu  einigen  allgemeinen  Bemerkungen ­
  Veranlassung.  Zunächst  fiel  die  Abnahme  in  der  Verwendung
des  Eichenholzes  auf.  Zum  Theil  wird  dieselbe  in  Zusammenhang  mit
dem  Zurückweichen  des  gothischen  Stiles  gebracht  werden  dürfen,  welcher ­
  sich  bis  vor  Kurzem  dieses  Holzes  mit  Vorliebe  bediente,  dessen
grobe  Textur  seinen*  derberen  Zierformen  kein  Hinderniss  war,  sich
jedoch  weniger  für  die  feineren  Ornamente  der  italienischen  Renaissance ­
  eignet.  Mit  dem  Vorwalten  der  letzteren  ist  das  Holz  des  Nussbaumes, ­
  amerikanisches  wie  italienisches,  mehr  und  mehr  in  Aufnahme
gekommen  und  dient  heute  nahezu  ausschliesslich  für  alle  feineren  Möbel, ­
  soweit  dieselben  den  Stoff  ihres  Körpers  überhaupt  noch  zur  Schau
tragen  und  nicht  unter  Fournieren,  Metallappliken  oder  Anderem  verbergen. ­
  Neben  dem  Nussholz  kommt  das  schwarz  gebeizte,  ebonisirte,
Birnholz  zu  häufiger  Verwendung,  nicht  selten  auch  das  massive  Ebenholz. ­
  In  der  Herstellung  und  geschmackvollen  Benutzung  des  ersteren
nimmt  Paris  noch  unbestritten  den  ersten  Rang  ein.  Mahagoni  war
seltsamer  Weise  eines  der  am  seltensten  in  der  Ausstellung  anzutreffenden ­
  Hölzer.  Ein  Schluss  hieraus  auf  allgemeine  Verhältnisse  dürfte
aber  doch  nicht  gezogen  werden;  wenngleich  nicht  zu  bestreiten,  dass
dieses  Holz  für  das  feinere  Mobiliar  und  für  die  Luxusmöbel  allgemein
aus  der  Mode  gekommen,  beherrscht  es  doch  noch  das  Gebrauchsmobiliar ­
  des  bürgerlichen  Hauses  in  England,  und  zwar  dort  vielfach  in
massiver  Verarbeitung,  und  in  Norddeutschland,  hier  als  Fournier
  auf  Tannenhplzkern.  In  Oesterreich  herrscht  auch  in  den  Four-
            
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